#1

Schnelle Reaktion = falsches Mittel?

in Allgemeines zur Homöopathie 28.11.2008 10:45
von ilse • Administratorin | 2.669 Beiträge | 11117 Punkte

Hallo,

hab neulich in einem Hom.Lehrbuch gelesen, dass schnelle "Heil"-Reaktionen auf ein Mittel darauf hinweisen, dass es das falsche Mittel sei. Quasi, dass es nur unterdrückend wirkt????
Ich konnte diese Beobachtung bei schnellen Heilungen (zum T. innerhalb weniger Minuten) nicht machen. Und was ist beim Similimum, welches ja in einigen Fällen auch prompt wirkt?

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo Marion,

ich denke das man das nicht so generalisiert sagen kann.

Wenn immer wieder auch auf kleinste Verstimmungen hin mit homöopathischen Mitteln gegengesteuert wird, dann ist das, wenn man nur, auf z.B. den Schnupfen hin verschreibt, sicherlich eine Unterdrückung. Zwar homöopathisch, aber eine Unterdrückung. Eine schnelle Reaktion, also die spontane Heilung, auf ein Mittel, welches homöopathisch verschrieben wurde, ist ganz sicher keine Unterdrückung.

Wichtig ist bei dieser Betrachtungsweise immer ob das Mittel homöopathisch oder allopathisch verschrieben wurde.

LG
Frank



In Antwort auf:
Hallo, Marion,
bei einer akuten oder noch nicht lange bestehenden Krankheit ist eine schnelle Heilung unverdächtig - aber bei einer chronischen ...

Ich wäre da mißtrauisch. Es fragt sich, welche Symptome so schnell verschwinden, sind es tatsächlich die zentralen?
Mal krass: die Kopfschmerzen verschwinden, aber der Hirntumor wächst weiter.
So was kann m E. passieren, wenn man das Krankheitsbild (die "Idee der Krankheit")nicht richtig erfasst hat, auf oberflächliche Symptome hin verschreibt.

Echte Heilung chronischer, tiefer Krankheiten dauert normalerweise - von innen nach außen, von zentral (lebenswichtig) nach peripher.

Eine extrem schnelle "Heilung" uralter Symptome ist von der Logik her also eher unwahrscheinlich. Um bei dem krassen Beispiel zu bleiben: So lange der Tumor Druck auf das zuständige Hirnareal ausübt, können die Kopfschmerzen zwangsläufig nicht echt geheilt sein. Und so ein Tumor wird in seltensten Fällen in ein paar Tagen schrumpfen.

Womit nebenbei mal wieder die Segnungen der modernen Diagnostik ins rechte Licht gerückt wären.
LG ilse


In Antwort auf:
Ilse, da stimme ich Dir vollkommen zu.
Wo ziehst Du aber die Grenze zwischen chronisch und akut? Ich hatte schon Fälle, bei denen die Erkrankung schon über ein Jahr bestand. In einem Fall gab die Besitzerin dem Hund das Mittel, ging Einkaufen und hatte bei der Rückkehr einen ganz anderen Hund und die Heilung blieb dauerhaft. Klar, allgemein ist ja bekannt, je länger eine Krankheit dauert, desto länger benötigt der Körper zur Heilung. Aber kann man das wirklich ausschliessen, dass eine schnelle Heilung dennoch auch bei chronischen Erkrankungen möglich ist? Ich glaube nicht. Es kommt doch vielmehr darauf an, wie tief sie sitzt, bzw. inwieweit das gesamte "System" davon betroffen ist.

LG Marion


In Antwort auf:
Zitat:

Es kommt doch vielmehr darauf an, wie tief sie sitzt, bzw. inwieweit das gesamte "System" davon betroffen ist.




Ja, genau. Und langjährige chronische Krankheiten gehen halt meist sehr tief - mit Gewebsveränderungen usw. Die müssen erst mal repariert werden.

Was anderes ist es, wenn du von vornherein weißt, daß nur noch palliative Behandlung möglich ist, weil irreparable Schäden vorliegen oder die Lebenskraft geschwächt ist, da kann sehr schnell Schmerzfreiheit erreicht werden. Wie sagte Hahnmann doch: Wo kein Symptom, da keine Krankheit. Aber damals gab es halt auch keine CT-, MRT-Befunde, die ihn hätten verunsichern können ;-)

Ich meine, es kann nicht schaden, sich doch noch mal Gedanken zu machen, wenn es in schweren Fällen zu einer unerwartet schnellen Heilung kommt. Die These habe ich schon von verschiedenen Hom. gehört und gelesen, da muß was dran sein. Ich selbst habe es auch schon erlebt, dass eine prompte Besserung des Hauptsymptoms (oder vielmehr des Symptoms, das ich dafür gehalten hatte)eintrat. ohne dass danach eine echte Heilung erfolgte. Was aber auch kein Beinbruch ist, muß mer halt noch e mal beigehn, und die Behandelten waren nichtsdestotrotz stark beeindruckt.
LG ilse



In Antwort auf:
Hallo,

die Frage in der Themenüberschrift (Schnelle Reaktion = falsches Mittel?)muß man schlicht mit "nein" beantworten. Ich halte die Aussage, schnelle Heilerfolge zeigten, daß es Unterdrückung und nicht Heilung durch ein Simillimum sei, schlicht für Unfug - für eine homöopathische Latrinenparole. Sie entspricht auch nicht meinen eigenen Erfahrungen (ebensowenig wie offenbar Marions).

Das dagegen:
Zitat:

"Ich denke, daß man das nicht so generalisiert sagen kann. ... Wichtig ist bei dieser Betrachtungsweise immer, ob das Mittel homöopathisch oder allopathisch verschrieben wurde."



sind goldene Worte.

Im übrigen möchte ich dem geschätzten publico § 2 des Organon der Heilkunst in Erinnerung rufen:

"Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen."
Soll das jetzt umgeschrieben werden in: "Das höchste Ideal der Heilung ist langsame, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, ... auf dem längsten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege..., denn schnelle Besserung kann nicht dauerhaft sein und ist bloße Unterdrückung"?

Echte Heilung kann schnell gehen, und Unterdrückung kann schnell gehen. Beides kann auch eine Weile dauern. Das hängt nicht nur von der Art der Arznei, sondern auch der Art der Erkrankung und der Lebenskraft des Patienten ab. Wäre schnelle Besserung der Beschwerden immer ein untrügliches Zeichen für Unterdrückung, hätte Hahnemann nicht gewußt, was er in § 2 Organon schreibt. Schnelligkeit und Dauerhaftigkeit der Heilung schließen sich nicht eo ipso aus, sonst wäre § 2 Organon Müll. Ob es echte Heilung, ein Schritt auf dem Weg dahin (wobei Folgemittel vollenden) oder bloße Unterdrückung war, kann man immer nur im Nachhinein wissen, deshalb sind follow-ups so wichtig.

Facit:
Wenn man durch mancherlei Aussagen in zeitgenössischer homöopathischer Literatur verunsichert ist, tut ein Blick in die Quellen immer ganz gut. Nur sehr, sehr wenige Verfasser moderner Lehrbücher dürften schlauer sein als die Altmeister...und fast alle Probleme, die heute aktuell diskutiert werden, finden bei Hahnemann schon eine Antwort. Die Weitsicht und der Überblick dieses Mannes grenzten ans Wunderbare.

LG
Thomas



In Antwort auf:
Hallo, Thomas,
dass schnelle Heilung automatisch falsches Mittel heißt, ist natürlich Quark. Aber so hat es der Autor, bei dem Marion es gelesen hat, mit Sicherheit auch nicht hingestellt.

Mir fällt kein einziger Fall Hahnemanns oder der anderen alten Meister ein, in dem beschrieben wird, dass eine langwierige tief verwurzelte Krankheit mir nix, dir nix nach der ersten Gabe verschwand. Hahnemann schreibt: "Die alten (und besonders die komplizierten) Siechtümer erfordern zur Heilung entsprechend mehr Zeit. Besonders die chronischen Arznei-Siechtümer, die durch allopathische Unkunst oft neben der von ihr ungeheilt gelassenen natürlichen Krankheit erzeugt werden, erfordern eine bei weitem längere Zeit zur Genesung."
LG ilse


In Antwort auf:
Liebe Ilse,

Zitat:

ilse schrieb am 17.08.2007 20:09 Uhr:
dass schnelle Heilung automatisch falsches Mittel heißt, ist natürlich Quark. Aber so hat es der Autor, bei dem Marion es gelesen hat, mit Sicherheit auch nicht hingestellt.



So war aber die Fragestellung und die Überschrift des ganzen Threads. Was der Autor, der Marion verunsichert hat, tatsächlich geschrieben hat, weiß ich nicht, weil ich bislang die Quelle nicht kenne. Noch viel weniger weiß ich, was der Autor "mit Sicherheit" gemeint oder nicht gemeint hat, wenn er es möglicherweise anders geschrieben hat. Ich weiß nur, daß in der homöopathischen Literatur auch viel dummes Zeug geschrieben wird, wenn der Tag lang ist.
@ Marion:
Aus welchem Lehrbuch stammt das denn? Kannst Du den Quellenschutz aufheben? Und wie war die Originalformulierung?

Zitat:

ilse schrieb am 17.08.2007 20:09 Uhr:
Mir fällt kein einziger Fall Hahnemanns oder der anderen alten Meister ein, in dem beschrieben wird, dass eine langwierige tief verwurzelte Krankheit mir nix, dir nix nach der ersten Gabe verschwand. Hahnemann schreibt: "Die alten (und besonders die komplizierten) Siechtümer erfordern zur Heilung entsprechend mehr Zeit. Besonders die chronischen Arznei-Siechtümer, die durch allopathische Unkunst oft neben der von ihr ungeheilt gelassenen natürlichen Krankheit erzeugt werden, erfordern eine bei weitem längere Zeit zur Genesung."




Das ist ja selbstverständlich und unbestritten, ebenso, daß akute Erkrankungen bei Gabe des Simillimums oft blitzartig verschwinden, während chronische Krankheiten, wie Du es ja richtig dargestellt hast, dazu länger - und oft auch mehrere Arzneimittel in einer bestimmten Abfolge - brauchen. "Schnell" ist eben immer relativ, und eine chronische Krankheit, die nach einem halben Jahr Besserung zeigt und nicht nach einer Stunde, wie manche akute Krankheiten, wird auch "schnell" im Sinne Hahnemanns geheilt.
Mir ging es in erster Linie darum zu verhindern, daß sich hier, wie durch die Überschrift und Fragestellung suggeriert, irgendwelche falschen Thesen festsetzen, wie es der Schluß schnelle Besserung --->Unterdrückung eindeutig wäre.
LG
Thomas



In Antwort auf:
So, da bin ich wieder....

Also, das war das Buch von der DZVHÄ "Weiterbildung Homöopathie Band A".
Der Artikel war von Gerhard Bleul "Wirkungseintritt der Arznei".
Er beschreibt in akuten Fällen die rasche Wirkung.
"In chronischen Fällen geht es nicht so schnell. Da kann es sein, dass erst nach Tagen, zuweilen sogar Wochen eine Abschwächung der Krankheitserscheinungen bemerkt wird; ja, die sofortige, von keiner Erstreaktion eingeleiteten, wundersamen besserneden Wirkung einer potenzierten Arznei gibt in chronischen Fällen Anlass, die Richtigkeit der Mielwahl zu bezweifeln." Er bezieht sich hier auf Hahnemanns "Die chronischen Krankheiten Bd. 1, Seite 162".

Diese Aussage hat mich nicht verunsichert, sondern eher erstaunt, da ich dieses eben auch schon anders erlebt habe.
Falsch Thesen zu setzen lag mir allerdings mehr als fern, was ich mit dem Fragezeichen am Ende eigentlich verhindern wollte...
Ich lese immer gerne div. Lehrbücher und wenn ich auf solche Aussagen stosse, bin ich dann schon verwundert, weil ich es eben so nicht gelernt und auch nicht erlebt habe.

LG Marion


In Antwort auf:
frisbee schrieb am 19.08.2007 13:54 Uhr:
Also, das war das Buch von der DZVHÄ "Weiterbildung Homöopathie Band A".
Der Artikel war von Gerhard Bleul "Wirkungseintritt der Arznei".
Er beschreibt in akuten Fällen die rasche Wirkung.
"In chronischen Fällen geht es nicht so schnell. Da kann es sein, dass erst nach Tagen, zuweilen sogar Wochen eine Abschwächung der Krankheitserscheinungen bemerkt wird; ja, die sofortige, von keiner Erstreaktion eingeleiteten, wundersamen besserneden Wirkung einer potenzierten Arznei gibt in chronischen Fällen Anlass, die Richtigkeit der Mielwahl zu bezweifeln." Er bezieht sich hier auf Hahnemanns "Die chronischen Krankheiten Bd. 1, Seite 162".





Öhmmmm......
Ich habe da eine Katze, die den Verdacht auf Futtermittelallergie hatte laut Tierärztin.
Heftiger Juckreiz, kaum noch Fell am Körper, viele Pusteln.
Die Katze war schon gute 9 Jahre alt und schon viele Jahre sehr ängstlich und ging auch nicht aus dem Haus (es hätte ihr ja der Himmel auf den Kopf fallen können).

Ich gab ihr Ars C200, woraufhin sie keine halbe Stunde danach einmalig kurz heftigen Durchfall hatte und dann zur Haustür raus wollte - ab da lebte sie den Rest des Sommers draussen und ihr Fell wuchs nach, der Juckreiz war weg, die Haut verheilte.

Sowas nenne ich eine rasche Wirkung.
Der Katze geht es nach Wiederholung des Mittel in größeren Abständen immer noch gut.

Ich würde zwar auch sagen, dass eine Besserung bei chronischen Erkrankungen oft langsam und oft schleichend vonstatten geht - aber wenn es schnell geht, muss doch deswegen die Mittelwahl nicht falsch sein.....

lg
Nux


In Antwort auf:
Hallo Nux,

Zitat:

Nux schrieb am 02.09.2007 20:43 Uhr:
Ich würde zwar auch sagen, dass eine Besserung bei chronischen Erkrankungen oft langsam und oft schleichend vonstatten geht - aber wenn es schnell geht, muss doch deswegen die Mittelwahl nicht falsch sein.....




Dem ist nichts hinzuzufügen!
LG
Thomas



In Antwort auf:
Zitat:

Old bear schrieb am 02.09.2007 21:53 Uhr:
Dem ist nichts hinzuzufügen!
LG
Thomas




Öhmmm...
DOCH !
Nuxi ist wieder mal da. Welche Freude! Grüß dich.

LG
Ulla




In Antwort auf:
Huhu Ulla,

ich schaue schon öfter mal hier rein, habe allerdings ziemlich viel anderes um die Ohren und auch noch eine anderes großes und zeitintensives Interesse.
Ausserdem habe ich keine Musterfälle, also halte ich mich da zurück.

einen ganz lieben Gruß
Nux


In Antwort auf:
Hi!


Zitat:

Da kann es sein, dass erst nach Tagen, zuweilen sogar Wochen eine Abschwächung der Krankheitserscheinungen bemerkt wird; ja, die sofortige, von keiner Erstreaktion eingeleiteten, wundersamen besserneden Wirkung einer potenzierten Arznei gibt in chronischen Fällen Anlass, die Richtigkeit der Mielwahl zu bezweifeln."




Mit dem Wörtchen kann hat sich der Autor ja zumindest ein Hintertürchen offen gelassen, dass es nicht generell so sein muss.

Ich denke auch, dass man sich bei einer ernsthaften, tiefen, chronischen Erkrankung durchaus Gedanken machen kann, wenn sich sehr schnell sehr viel tut. Da spielen aber imo zu viele andere Faktoren mit, als dass man das als Regel aufstellen könnte.

Immerhin hat die Homöopathie schon viele Fälle geheilt, die von der Schulmedizin ad acta gelegt worden sind- sowohl durch langsame, stetige Verbesserung oder eben auch mal durch rasche Heilung.

Grüße,

Tina




In Antwort auf:
Interessantes Thema!

Ich hab da eine Erfahrung, die ich nicht recht einordnen kann. Einer Bekannten gab ich ein Mittel in der C30. Es kam zu einer Erstverschlimmerung, es schien eine Heilung eingesetzt zu haben, denn die quälenden, chronischen Symptome verschwanden. Doch nach 2 Wochen tauchten sie wieder auf, wenn auch weniger heftig. Nun sagte unsere Ausbilderin, ich könne dies Mittel, das ja anscheinend (s. erfolgte Erstverschlimmerung) das richtige sei, in C200 geben. Das tat ich. Auch unter dem Aspekt, dass keine anderen Symptome aufgetreten waren, sondern der alte Zustand milder erschien.
Nun aber kam es zu einer heftigen Hautreaktion, die jetzt schulmedizinisch behandelt wird (Antihistaminika).

Ich muß wohl an den Pranger gehn...


In Antwort auf:
Hallo Cara,

ich bin zwar hier noch der Azubi, aber ich würde mich freuen, wenn Symptome auf die Haut kommen, gerade, weil Du auch von chron. Symptomen geschrieben hast. Interessant wäre sicher auch zu hören, welches Mittel es war.

Schade, dass da nun wieder die Schulmedizin dran muss.
Mal sehn was die Profis dazu sagen.

LG Christa



In Antwort auf:
Zitat:

ich bin zwar hier noch der Azubi



Dann sind wir ja schon zwei...

Mittel: Arsenicum album



In Antwort auf:
Ja, das ist wirklich schade...
Wieso an den Pranger???
Nee, ich denke auch, dass das Mittel richtig war (kann man aber ohne Fallkenntnis natürlich nicht def. sagen). Vielleicht hätte man auf einfach noch etwas abwarten können, bevor eine C200 gegeben wird. Ich warte dann immer gerne noch ein paar Tage um zu sehen, ob der Körper selbst in der Lage ist, das Ganze auszuheilen. Erst wenn es stagniert oder schlimmer wird, gebe eine erneute Gab. Ob höher oder zunächst einmal die gleiche Potenz entscheide ich von Fall zu Fall und das kommt auch auf das Mittel an (bei Sulph. und Hautgeschichten bin ich eher vorsichtig).

LG Marion


In Antwort auf:
Hallo Cara,
wenn das Mittel, wovon ich jetzt mal ausgehe, das richtige war und eine gewisse Zeit gelaufen ist dann kann man es natürlich wiederholen. Bei empfindlichen Patienten würde ich dazu raten es in der gleichen Potenz zu wiederholen. Dies so lange- also bis zum abklingen der Heilreaktion bis hin zum abgemilderten Ursprungzustandes- bis es kaum noch Wirkung zeigt, dann kann man auf die nächst höhere Potenz gehen.

Wir sind über eine Hautreaktion erfreut, der Patient und sein Umfeld in der Regel entsetzt, der Hausarzt zuversichtlich. Daran kann man wenig ändern.

LG
Frank



In Antwort auf:
eine weitere technik, die ich nach langer skepsis schließlich in der praxis des öfteren bestätigt gefunden habe, ist folgende:

wenn das mit großer sicherheit passende mittel gegeben wurde, es zur verschlimmerung kommt, kann eine deutliche höhere potenz (gesetzt dem fall das mittel stimmt nach wie vor), den fall in richtung heilung bringen. in unserer schule nannten sie es, "die spitze kappen". kam eine C 200 zum einsatz, braucht es dann i.d.r. zumindest zwei stufen höher, dass heisst ein XM.
wie gesagt, man sollte sich seiner sache dann schon sehr sicher sein. und normalerweise hat die erste gabe, das thema noch klarer gemacht (auf der geistigen ebene) und der patient war sozusagen auf halbem wege stecken geblieben.

lg
paulo


In Antwort auf:
was mir generell noch zu dem thema einfällt..

wir bekamen in unerer ausbildung eingebleut, dass das allgemeinbefinden (bei den follow-ups) neben der idee der hering´schen regel (ich schreibe idee, da sie nicht die stadien der pathologie in den einzelnen organen berücksichtigt) an oberster stelle steht.
mit allgmeinbefinden sind stimmung, körperliches wohlbefinden und tatkraft gemeint. d.h. wenn das allgemeinbefinden gut ist, sich lokale symptome verstärken, kann es trotzdem in richtung heilung gehen. verschwinden jedoch die lokalsymptome bei verschlechterung des allgemeinbefindens, ist eine unterdrückung wahrscheinlich.
ebenso bieten die schon erwähnte hering´sche regel und aus psychologischer sicht, die fähigkeit von z.b. konfliktbewältigung und bewältigung der lebensituation, ein barometer für den verlauf eines falles. beides, je nach heransgehensweise in sehr differenzierter art und weise.

in diesem sinne bleiben wir nicht im dunkel darüber, ob es sich um eine heilreaktion oder eine unterdrückung handelt.

lg
paulo


In Antwort auf:
Hallo Paulo,
das geht aber selbst dann, wenn Du Dir des Simillimums sehr sicher bist, nur bei Patienten mit sehr starker Lebenskraft. Eine zu starke Erstverschlimmerung ist i.d.R. ein Hinweis auf eine zu starke, d.h. zu hohe Potenz. Einen alten oder stark geschwächten Patienten kannst Du mit einer C XM umbringen, wenn er schon (zu) stark auf eine C 200 reagiert hat. Ich würde diese Methode also nicht allgemein zur Nachahmung empfehlen und ganz besonderen Fällen in der Hand eines sehr erfahrenen Homöopathen, der einen an sich kräftigen Patienten behandelt, vorbehalten.
LG
Thomas



In Antwort auf:
hallo thomas,

wie gesagt, war ich auch lange zeit sehr skeptisch, was diese methode betrifft. dass die anwendung hoher potenzen einer entsprechend hohen lebenkraft bedarf, ist ein gutes argument. ich habe es des öfteren gehört und war selbst sehr überzeugt davon.
mittlerweile bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher. es kann auch eine frage der dosis sein oder der ebene auf der das problem liegt (mehr körperlich, emotional, geistig, energetisch).
was sehr alte, geschwächte oder solche patienten mit schwerer pathologie betrifft, fehlen mir die erfahrungen. im zweifelsfall würde ich in der beschriebenen situation auch nicht einfach eine höhere potenz nachschmeißen. aber was machst du, wenn so ein fall eintritt? du hast meinetwegen ne C 12 gegeben oder C 30 des simillimums. der patient bricht trotzdem ein. du könntest in diesem fall nur versuchen zu antidotieren. eine homöodot käme nur in frage, wenn die symptome sich änderten. wenn sie aber bleiben, nur schlimmer, hast du nur die beiden möglichkeiten. beim selben mittel bleiben oder antidotieren.
was du aber machen kannst, ist die dosis zu verringern, z.b. durch mehrfaches verdünnen im wasser. oder das mittel nur in die nähe des patienten legen, es vielleicht für eine weile am körper tragen lassen. dann kann man es sofort weglegen, wenn es genug des guten ist. mit der letzteren methode habe ich bei mir selbst, der ich sehr sensibel reagiere, die besten erfahrungen gemacht.

des weiheits letzten schluss habe ich da noch nicht gefunden, bin aber der meinung, dass da sehr viel achtsamkeit angesagt ist und auf dem sicheren fundament bestehender grundregeln ein weiter raum mit vielen möglichkeiten vor uns liegt.

lg
paulo


In Antwort auf:
Hi, paulo, du meinst mit "Dosis verringern", z.B. die C200 in Wasser aufzulösen? Oder beziehst du das auf die C30? Cara




In Antwort auf:
Hallo, Paulo,

Zitat:

du hast meinetwegen ne C 12 gegeben oder C 30 des simillimums. der patient bricht trotzdem ein. du könntest in diesem fall nur versuchen zu antidotieren. eine homöodot käme nur in frage, wenn die symptome sich änderten. wenn sie aber bleiben, nur schlimmer, hast du nur die beiden möglichkeiten. beim selben mittel bleiben oder antidotieren.




Manchmal muss man Kompromisse schließen, speziell bei schlechtem Allgemeinzustand. Wenn eine Reaktion kommt, die für den Patienten nicht zumutbar ist, kann man die Symptome dieser Reaktion wie eine interkurrente Erkrankung behandeln. Selbst wenn es sich bei dieser Reaktion um einen Hautausschlag handelt.

Es denkt sich ja auch keiner was dabei, eine Grippe zu behandeln, während ein chronisches Mittel läuft.

Die Beurteilung der Reaktionen auf Mittelgabe ist sowieso ein ganz heikles Thema. Auch die Besserung der Energie, des Gemüts ist nicht zwangsläufig der Beweis für die Richtigkeit des Mittels.

Wenn ich immer nur eine Besserung auf einer Ebene erziele, egal ob das jetzt die körperliche oder die gemütliche ist, kann das Mittel nicht optimal sein. Gerade bei Besserung
der Gemütssymptome neigt man ja dazu, sich und die Leut zu vertrösten "das ist das Allerwichtigste, der Rest kommt schon noch ...". Ursache dürfte eine einseitige Symptomenauswahl sein, das passiert gern bei Familienangehörigen, wenn man das, was einen besonders stört, in den Vordergrund stellt.
LG ilse


In Antwort auf:
Zitat:

Cara schrieb am 02.12.2007 22:00 Uhr:
Hi, paulo, du meinst mit "Dosis verringern", z.B. die C200 in Wasser aufzulösen? Oder beziehst du das auf die C30?



ja richtig, egal welche potenz noch weiter verdünnen..


In Antwort auf:
Manchmal muss man Kompromisse schließen, speziell bei schlechtem Allgemeinzustand. Wenn eine Reaktion kommt, die für den Patienten nicht zumutbar ist, kann man die Symptome dieser Reaktion wie eine interkurrente Erkrankung behandeln. Selbst wenn es sich bei dieser Reaktion um einen Hautausschlag handelt.

kann man schon machen. ich denke, es kommt auch darauf an, mit welcher ausrichtung man arbeitet. z.b. klassisch, miasmatisch oder prozessorientiert. viele wege führen nach rom. man muss sich "nur" orientieren können und den weg finden.

Es denkt sich ja auch keiner was dabei, eine Grippe zu behandeln, während ein chronisches Mittel läuft.

kommt drauf an. eine echte grippe würde man wohl wegen ihrer heftigkeit behandeln wollen. bei einer einfachen erkältung würde ich schauen, ob es sich um eine ausscheidungsreaktion handelt und der krankheitsverlauf sich zurückspult. in so einem fall würde ich eher abwarten und heiße zitrone trinken lassen, o.ä.

Die Beurteilung der Reaktionen auf Mittelgabe ist sowieso ein ganz heikles Thema. Auch die Besserung der Energie, des Gemüts ist nicht zwangsläufig der Beweis für die Richtigkeit des Mittels.

das ist schon richtig. wobei mit allgemeinbefinden noch ein bißchen mehr gemeint ist. da steckt meines erachtens neben der einschätzung der reaktionen auch ein gewisses gespür des behandlers mit drin, der ein zeitweises hoch des patienten von einer tiefgreifenden positiven entwicklung unterscheiden kann. wenn eine ebene hinterherhinkt, ist natürlich besondere wachsamkeit angesagt und eine genaue kenntnis möglicher reaktionen wichtig.

Wenn ich immer nur eine Besserung auf einer Ebene erziele, egal ob das jetzt die körperliche oder die gemütliche ist, kann das Mittel nicht optimal sein. Gerade bei Besserung
der Gemütssymptome neigt man ja dazu, sich und die Leut zu vertrösten "das ist das Allerwichtigste, der Rest kommt schon noch ...". Ursache dürfte eine einseitige Symptomenauswahl sein, das passiert gern bei Familienangehörigen, wenn man das, was einen besonders stört, in den Vordergrund stellt.

letztlich gehören körper und gemüt zusammen. handelt es sich um wirkliche heilung, muss sie sich auf allen ebenen bemerkbar machen.
der weg dahin ist meist nicht linear, sondern kann auf verschlungenen wegen statt finden. ich kann mir den homöopathen da als einen fährtensucher vorstellen, der die zeichen und hinweise auf dem weg zu deuten weiss.

lg
paulo



In Antwort auf:
Hallo,
eine andere Möglichkeit der Verabreichung für sensible Patienten wäre noch die Split-dose-Methode oder die Medizinische Lösung.
Damit können die einzelen Gaben wunderbar dem Patienten angepasst werden. Meine Erfahrung ist eine sehr gute damit.
Da die Wirkungszeit recht kurz ist, ähnlich wie bei LM oder Q kann der Verlauf besser eingeschätzt werden, allerdings verlangt es wesentlich mehr Aufmerksamkeit seitens des Behandlers und des Patienten.

LG
Ulla



In Antwort auf:
Zitat:

Ulla schrieb am 03.12.2007 09:04 Uhr:
Hallo,
eine andere Möglichkeit der Verabreichung für sensible Patienten wäre noch die Split-dose-Methode oder die Medizinische Lösung.
Damit können die einzelen Gaben wunderbar dem Patienten angepasst werden. Meine Erfahrung ist eine sehr gute damit.
Da die Wirkungszeit recht kurz ist, ähnlich wie bei LM oder Q kann der Verlauf besser eingeschätzt werden, allerdings verlangt es wesentlich mehr Aufmerksamkeit seitens des Behandlers und des Patienten.

LG
Ulla




ich kenne diee methoden nicht, wie funktionieren die?


In Antwort auf:
Hallo Paulo,
die split-dose-Methode ist die von Hahnemann in der 5. Auflage des Organon beschriebene und favorisierte Methode. Den Globulus oder die Globuli in Wasser auflösen und vor jeder neuen Gabe eines Teelöffels von dem Wasser die Lösung erneut mehrmals kräftig schütteln und gegen eine feste Unterlage schlagen, wodurch sich die Potenz leicht verändert und die Lebenskraft das Mittel besser annimmt als eine erneute "trockene" Gabe.
LG
Thomas



In Antwort auf:
Ist das §248?


In Antwort auf:
Man kann auch ganz unspektakulär "Wasserglasmethode" dazu sagen...

LG Marion


In Antwort auf:
Zitat:

ich kenne diee methoden nicht, wie funktionieren die?




@ Paulo
Luc de Schepper hat es sehr genau in seinem Werk "Der Weg zum Simillimum" beschrieben.
http://www.hpathy.de/bookreviews/scheppe...-Simillimum.asp

Hier kannst du auch nachlesen:
http://www.hpathy.de/papersnew/little-medicinal-solution.asp

LG
Ulla



In Antwort auf:
Zitat:

Man kann auch ganz unspektakulär "Wasserglasmethode" dazu sagen...




Nicht ganz, Marion, aber das wird in den Links erklärt.

LG
Ulla



In Antwort auf:
Zitat:

Cara schrieb am 03.12.2007 12:22 Uhr:
Ist das §248?




Ja, genau!

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