#26

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 09.06.2010 12:16
von ilse • Administratorin | 2.712 Beiträge | 11512 Punkte

Zitat
Wenn einer pedantisch und autöritär/autoritätshörig veranlagt ist und sich den Magen verdorben hat, aber er hat ein dezidiertes Verlangen nach Kälte statt nach Wärme und er ist die Ruhe selbst, ist das z. B. m. E. eine klare Kontraindikation für Arsenicum album, trotz der eingangs erwähnten Gründe, die für das Mittel sprechen.



Thomas, da mischst du jetzt aber was durcheinander: "Veranlagung" und (aktuelle) Erkrankung.

Bei der Kombination verdorbener Magen/Verlangen nach Kälte/Gelassenheit ist Arsen natürlich nicht angezeigt.
Auch wenn er chronische Magenbeschwerden hätte, wäre es nicht angezeigt, wenn das Verlangen nach Kälte und die Gelassenheit zur Krankheit gehören - also jeweils im Anfall auftreten und seit Beginn der Magengeschichte bestehen.

Aber wenn die Magenbeschwerden von der Empfindung, von der Lokalisation, Erstreckung und der Zeit her durch Arsen präzise abgedeckt würden und es in Bezug auf Kälte/Wärme und Gemüt keine Symptome gäbe, warum soll der Patient dann nicht Arsen bekommen? Weil er NICHT friert und NICHT unruhig ist?
LG ilse

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#27

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 10.06.2010 15:43
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Zitat
Auch wenn er chronische Magenbeschwerden hätte, wäre es nicht angezeigt, wenn das Verlangen nach Kälte und die Gelassenheit zur Krankheit gehören - also jeweils im Anfall auftreten und seit Beginn der Magengeschichte bestehen.



Das ist dann das Unterscheidungskriterium: Dieses polare, aber nicht zum Mittel passende Zeichen, es muß "krankhaft" sein, also im Krankheitsbild auftreten. Richtig?

Wenn jemand aber, um mal beim Arsenbeispiel zu bleiben, ein überhaupt sehr gelassener Typ ist, der selbst im Arsenzustand noch recht gelassen bleibt, dann gilt das nicht als ein Ausschlußkriterium. Also dieser Polaritatenabgleich ist nicht einfach so für sich allein zu betrachten, damit könnte man dann ebenfalls falsch liegen.

(Ich sagte doch, Ilse, Du brauchst dieses Hilfsmittel nicht :-)))) Danke für den konkreten Hinweis. Ich war ja erst noch verwirrter daraufhin, aber es gibt eben schon Sinn.


Memento te hominem esse.
Bedenke, daß Du ein Mensch bist.

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#28

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 10.06.2010 17:05
von ilse • Administratorin | 2.712 Beiträge | 11512 Punkte

Richtig. Zum Glück hat auch meine Homöopathin so gedacht, als sie mir letztes Jahr Arsen verordnete, obwohl ich weder im Sterben lag noch nachts aus dem Bett getrieben wurde oder werde (höchstens durch das Urksen unserer Katzen, bevor sie auf den Teppich kotzen) und eher das Gegenteil von ruhelos bin.
Wie fatal es sein kann, wenn man in der Homöopathie nach irgendwelchen Schemata vorgeht, haben wir doch jetzt schön bei Annas Thread "Sonderfall" Bryonia gesehen. Bryonia hat zwar im Allgemeinen Verlangen und Besserung durch kalte Getränke, aber bei bestimmten Krankheiten eben genau das Gegenteil. Hätte ich jetzt eine Magenverstimmung, weil ich eine eiskalte Cola runtergestürzt habe, und mich auf das bekannte Leitsymptom verlassen, würde ich nicht auf Bryonia kommen, auch mit den Kollektaneen des Symptomenlexikons ginge das nicht.

LG ilse

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#29

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 11.06.2010 09:04
von Beate_P (gelöscht)
avatar

Liebe Ilse,

lies doch mal bitte diesen Artikel (http://www.homoeopathie-zeitschrift.de/a...il&artikel_id=2), dann wirst Du sehen, dass Hahnemann, Bönninghausen, Jahr und Boger keineswegs irgendeine Wischiwaschi-Homöopathie betrieben haben. Die Arbeitsweise unterscheidet sich nur komplett von der Kent-Methode. Ich hatte auch totale Schwierigkeiten mir das vorzustellen, weil ich von der Kentschiene ( u.a. Vithoulkas/J.Scholten) kam. Es ist eine komplett andere Vorgehensweise. Ich weiß leider auch nicht, wer die größere Verschreibungssicherheit erzielt bei den unterschiedlichen Methoden. Ich denke, es ist gut, wenn man mehrere Methoden lernt einen Fall zu knacken, aber es verwirrt wahrscheinlich auch, weil man umdenken muss.

Hinzufügen muss ich noch, dass bei dieser Methode schon die Anamnese anders ist, insofern verstehe ich den Knoten.


zuletzt bearbeitet 11.06.2010 10:33 | nach oben springen

#30

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 11.06.2010 12:08
von ilse • Administratorin | 2.712 Beiträge | 11512 Punkte

Liebe Beate,
ich habe mich ziemlich eingehend mit Plate und dem SL beschäftigt, habe mir sogar das zu Anfang schweineteure SL angeschafft, das ich inzwischen aber nur noch wie eine gewöhnliche AML verwende. Ich habe auch mit dem TTB geübt und nach Kent hierarchisiert. Inzwischen habe ich keine Methode mehr, ich mache einfach. Jeder Fall ist anders, mal muss man in die Richtung denken, mal in die andere - bloß nicht starr nach Rezept. In Fällen mit guten Modalitäten kommt man mit dem TTB besser zurecht, wenn es kaum individuelle Symtome gibt, palliativ, vielleicht mit Phatak oder überhaupt mit Metarubriken. Und Nachlesen der Prüfungssymptome bei Hahnemann sowieso.

Ist wie beim Kochen - ob ich die Pfanne nehme, den Schnellkochtopf, den Grill hängt davon ab, was ich kochen will.

Der Fall der Lohnwäscherin ist übrigens inzwischen auch einfach mit dem Repertorium zu lösen, den Komfort hatte Hahnemann ja noch nicht. Der Fall hat aber doch nichts mit Polarität zu tun, er zeigt nur schön, wie man differenziert.

Die Crux bei solchen Schlagworten ist m. E., dass jeder was anderes darunter versteht, besonders in der Homöopathie. Damit belastet man sich nur unnötig und verbaut sich den Blick auf Wichtigeres.
LG ilse

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#31

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 11.06.2010 13:00
von Beate_P (gelöscht)
avatar

Dieser Lohnwäscher-Fall ist sogar beispielhaft für die Erklärung zu den Polaritäten:

Ist nicht gerade die Fünf-Minuten-Terrine , wenn es darum geht zum Ergebnis zu kommen, das gebe ich zu, aber vielleicht lohnt sich die längere Garzeit bei einigen Gerichten ja doch.

Zitat
''Wählt man z.B. die Modalität "Gehen" und dazu die Empfindung "Stechen", so kann man die entsprechenden Prüfungssymptome miteinander vergleichen (hier Vergleich Bryonia mit Pulsatilla). Durch Kursivdruck der Arzneiabkürzung (hier bei Pulsatilla) sind dabei die gegenpolaren Modalitäten gekennzeichnet, hier also "beim Gehen besser".
Man kann also ersehen, dass Bryonia sieben mal "Stechen beim Gehen" in den unterschiedlichsten Körperregionen hervorgerufen hat und diese Zeichenkombination charakteristisch ist. Bei Pulsatilla dagegen nur zwei mal, also nicht charakteristisch, zudem gibt es bei Pulsatilla zwei mal Prüfungssymptome, die durch Gehen gebessert wurden, wodurch die beiden Treffer quasi wieder aufgehoben wurden.
Das zeigt :Auch, wenn ein Prüfungssymptom dem Symptom eines Patienten fast wortwörtlich entspricht, muss es noch lange nicht ähnlich sein. "



Meiner Ansicht nach kann man erst dann von einer definitiven Charakteristik eines Mittels sprechen, wenn es kein Gegenpol gibt oder zumindest die Polaritäts-Differenz ziemlich hoch ist. Nachlesen sollte man dann bei dem Mittel, warum der Gegenpol drin steht . Das ist AML vom Feinsten, was für lange Winterabende oder schlechte Sommer . Du hast uns wahrscheinlich schon ein paar Jahre Erfahrung vorraus, aber ich finde diese Diskussionen noch sehr interessant.


zuletzt bearbeitet 11.06.2010 14:13 | nach oben springen

#32

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 12.06.2010 01:06
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

1
 
Meiner Ansicht nach kann man erst dann von einer definitiven Charakteristik eines Mittels sprechen, wenn es kein Gegenpol gibt oder zumindest die Polaritäts-Differenz ziemlich hoch ist.
 

Hallo Beate!
Hier mußt du die Aussage aber mal differenzieren. Meinst du das schon für die Polarität von einem Zeichen oder erst von einer Zeichenkombination?
Und wie oben schon mal geschrieben, vergiss nicht die Mittel mit ausgesprochener Wechselwirkung wie z.B. Belladonna.

@Ilse

1
 
Jeder Fall ist anders, mal muss man in die Richtung denken, mal in die andere - 
 

Obwohl ich am häufigsten mit dem TTB arbeite, kann ich das voll unterschreiben! Es gibt einfach Fälle die sich nicht dafür eignen. Jedes Repertorium hat seine eigenen Stolpersteine und Schwächen.

Z.B. die Magenschmerzen > warme Milch
Ist es wirklich nur WARME MILCH bin ich mit TTB und SL aufgeschmissen, selbst wenn es auch andere warme Getränke sind, wird es schwer, denn mein Mittelpool bleibt zu groß - ich muß trotzdem alles nachlesen, was Treffer bei Organ und Modalität hat. Wobei die Modalitätsrubrik viel zu klein ist um aussagekräftig zu sein. Besserungsmodalitäten sind einfach unterrepräsentiert in den Arzneimittelprüfungen.
Ich müßte entweder noch genauer fragen - gucken ob kalte Getränke verschlechtern oder Schmerzempfindung oder begleitende Beschwerden etc.

Normalerweise würde ich dann in den Kent gucken - denn ich habe auch überhaupt keine Hemmungen meinen TTB-Mittelpool mit dem Kentschen Repertorium noch weiter einzugrenzen oder manchmal sogar um ein kleineres Mittel zu erweitern, das ich sonst gar nicht finden würde.

Mit meinem Kent komme ich aber in diesem "Sonderfall" nicht drauf, wenn ich mich an der Tatsache MILCH festbeisse.

Alles in allem ist dieser Sonderfall "Bryonia", wenn man gar nicht mehr als diesen Eingangssatz bekommen könnte, sowieso genau das was jeder hasst, weil es einfach für eine richtig gute, sichere Verschreibung zu wenig ist.
Und solche Ausnahmen-Schilderungen in den MMs können dann auch mal ganz wichtig sein.

Wichtig finde ich auch nicht unbedingt welche Methode zum Ziel führt, sondern das man sein Rep. mit Kenntnis der Methodik verwendet und es nur als Hilfsmittel versteht auf den richtigen Weg zu kommen, da leider unser aller Arzneimittelkenntnisse begrenzt sind - meine manchmal vielleicht noch etwas mehr als bei einigen hier *ne Ilse ;-)(das mit den Magenschmerzen bei Bryonia hatte ich auch schon gelesen, war mir aber absolut nicht mehr präsent)

Aber ich glaube, wir sind uns trotzdem einig, daß sich auch nicht jeder Fall von Magenschmerzen > warme Milch jederzeit mit Bryonia lösen läßt, oder?

Es ist eben so, es gibt Fälle, die sind genial mit dem SL zu lösen, einige mit Bönninghausen, einige mit Kent und einige mit Kombination aus zwei Sachen. Aber eine fundierte Materia Medica Kenntniss dazu macht dich noch viel reicher. Und denken und kombinieren können auch, wenn ich mir einiges von Burnett angucke... genial.

Liebe Grüße
annett

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#33

RE: polares Symptom

in Repertorium Sprache und Deutung 13.06.2010 11:38
von ilse • Administratorin | 2.712 Beiträge | 11512 Punkte

Hallo, Annett,

Zitat
denn ich habe auch überhaupt keine Hemmungen meinen TTB-Mittelpool mit dem Kentschen Repertorium noch weiter einzugrenzen



Musst du auch nicht haben, auch die SL-Leute nehmen ja das TTB, um den Mittelpool einzugrenzen, andere nehmen Boger.

Zitat
Aber ich glaube, wir sind uns trotzdem einig, daß sich auch nicht jeder Fall von Magenschmerzen > warme Milch jederzeit mit Bryonia lösen läßt, oder?



Nee, ist klar. Aber nachgehen muss man so einer interessanten Fährte schon. Und vor allem auch die Pathologie herausfinden, die dahinter steckt, ob es z. B. tatsächlich der Magen ist oder doch die Galle/Leber, wie z. B. bei Chelidonium.
LG ilse

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