#1

Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 14:49
von evapierron | 131 Beiträge | 166 Punkte

Ich wünsche euch allen nachträglich noch ein gutes neues Jahr!

Ich lese gerade etwas zum oben genannten Thema.
Das Beispiel war Calc.carb. als chronisches Mittel zu Belladonna.
Wo kann ich weitere Literatur finden oder gibt es eventuell auch Listen die chron. und akute Mittel einander zuordnen?
Googeln hat nicht weitergeholfen.

Liebe Grüsse Eva


zuletzt bearbeitet 05.01.2012 14:49 | nach oben springen

#2

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 16:59
von AnnaZenz | 927 Beiträge | 927 Punkte

So eine Liste gibt es so weit ich weiß nicht.
Bei Bell ist es so, das die Kinder, wenn sie gesund sind meist sehr liebe Wesen sind, deshalb kommt da Calc sehr nahe, das bedeutet aber nie, dass ein Kind das Bell gebraucht hat später auch garantiert Calc braucht.
Auch Calc ist ein Akutmittel, wenn die Symptome stimmen.


- Was ist darf sein, was sein darf wandelt sich -

zuletzt bearbeitet 05.01.2012 16:59 | nach oben springen

#3

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 18:35
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Die meisten akuten Zustände haben m.E. sowieso auch einen chronischen Hintergrund. In meiner nun langjährigen konstitutionellen Behandlung hat so manches vermeintliche reine Akutmittel dann doch auch Rückspulungen ausgelöst von Symptomen, die auch von "echten chronischen" Mitteln bereits bearbeitet wurden. Also gewisse (vermutlich kleinere) Überschneidungsbereiche gibt es da u.U. sowieso. Man kann m.E. nicht wirklich zwischen akut und chronisch unterscheiden was das Mittel angeht, was den Zustand angeht natürlich schon.

Von Petra Sauer gibt es so ein kleines Büchlein, Moderne Homöopathie heißt es, in welchem Antidote, aber auch "gute Folgemittel" zu den Mitteln aufgezählt sind. Bedeutet aber eher, daß sie wohl häufig folgen. Vielleicht hilft Dir das weiter.


Artificiosa non durant
Seid wahrhaftig - Alles Gekünstelte ist nicht von Dauer
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#4

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 20:43
von Ulsch (gelöscht)
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Hallo Eva,

ich hab mal in meinen Ausbildungsunterlagen gekramt und eine Tabelle gemacht. Wollt ich eh immer mal machen ;) Mehr hab ich aber leider auch nicht.

Akut...................... Chronisch
Aconitum ................. Sulphur
Allium cepa ...................... Phosphorus
Apis...................... Natrium muriaticum
Arnica...................... Spigelia
Arsenicum...................... Sulphur, Thuja
Bacillinum...................... Calcium phosphoricum
Belladonna ...................... Calcium
Bryonia ...................... Alumina, Phosphorus und Natrium muriaticum
Chamomilla ...................... Magnesium carbonicum und Sanicula
Colocynthis ...................... Thuja, Staphisagria, Kalium carbonicum und Lycopodium
Hepar sulphuris...................... Silicea
Ignatia...................... Natrium muriaticum
Kalium bichromicum...................... Thuja
Lycopodium...................... Lachesis
Nux vomica ...................... Sepia und Sulphur
Pulsatilla...................... Graphites, Silicea, Calcium, Medorrhinum, Thuja
Rhus toxicodendron...................... Calcium
Stramonium...................... Calcium

Liebe Grüße
Ulli


zuletzt bearbeitet 05.01.2012 20:44 | nach oben springen

#5

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 21:20
von evapierron | 131 Beiträge | 166 Punkte

Hey das ist ja schon mal super!!!
Danke Wolfi,hab mir das Buch mal bestellt und bin gespannt.
Danke Ulli,sowas findet man sonst nirgendwo!
Ich will das auch nicht so starr sehen aber als Anhaltspunkt ist es sicher hilfreich.
Gruss Eva

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#6

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 22:15
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

das Buch "Arzneimittelbeziehungen" von Thomas Blasig-Jäger und Peter Vint sollte man meiner Meinung nach besitzen. Kostet nicht viel und ist bei mir täglich in Gebrauch.
Da stehen unter Komplementärmitteln immer auch solche Hinweise, wenn sie bekannt sind.
Wichtig: Vorwort lesen! und dann immer die Quelle beachten. (wenn die Quelle Clarke ist, hat das für mich einen höheren Stellenwert als z.B. Sankaran, aber das kann jeder selbst für sich bewerten - in dem Buch findet nämlich keine Wertung statt. Und das ist gut so)

Natürlich kannst du trotzdem nicht jemandem der chron. Phosphorus bekommt automatisch bei einem akuten Husten Bryonia verschreiben ("Phos. ist das chronische Bry."), aber es gibt einen Anreiz die Symtomatik beider Mittel und ihrer Darstellung innerhalb der akuten Krankheit miteinander zu vergleichen und an der Patientensymptomatik zu differenzieren, das kann auch mal sehr hilfreich sein.

LG annett


zuletzt bearbeitet 05.01.2012 22:18 | nach oben springen

#7

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 05.01.2012 23:03
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Ich bin echt baff, daß es diese Auflistung im Grunde wirklich gibt (wenn auch nicht in einem Buch oder so festgehalten), und vor allem, daß sie zumindest für meinen Fall auch übereinstimmt. Fast alle Akutmittel zu meinen dort aufgeführten Konstitutionsmitteln habe ich unterdessen ja mal bekommen, alle anderen aufgeführten Akutmittel aber nicht (nee, stimmt nicht, bis auf Arnica, das habe ich mir oft und manchmal auch erfolgreich schon häufig selbst verordnet - ach, und hab' jetzt noch eins gefunden, na ja, Ausnahmen bestätigen ja die Regel ). Aber so verwunderlich ist es ja eigentlich gar nicht, ähnliche Zustände produzieren und bedingen eben bestimmte andere, ebenfalls dann oft ähnliche Zustände. Und damit entsprechen die Zustände eben auch bestimmten Mitteln. Aber erstmal war ich doch verblüfft.

Ach, vergeßt meinen Beitrag, irgendwie unüberlegtes Blabla. *gg


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zuletzt bearbeitet 05.01.2012 23:48 | nach oben springen

#8

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 09:49
von Ulsch (gelöscht)
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Ich hab auch noch einen guten Buch-Tipp:

http://www.amazon.de/Das-kleine-Buch-Arz...25839601&sr=8-1

Für jedes aufgelistete Mittel sind die ergänzenden Mittel, gut folgende Mittel, unverträgliche Mittel, Antidote und ähnliche Mittel angegeben.

Liebe Grüße
Ulli

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#9

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 12:24
von Maja | 238 Beiträge | 250 Punkte

Eine gute Seite aus dem Netz: Beziehungen der homöopathischen Arzneien
http://homeoweb.ch/pro/ab/ab.php

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#10

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 17:32
von Ulsch (gelöscht)
avatar

Funktioniert nicht, wenn ich dort ein Mittel eingebe. Wahrscheinlich mach ich was falsch.

Liebe Grüße
Ulli

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#11

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 19:13
von Maja | 238 Beiträge | 250 Punkte

Er hat seine eigenen Kürzel: ars puls sulf, alle klein geschrieben und ohne Punkt. Früher gab es eine Kürzel-Liste auf der Seite. Vielleicht ist sie auch noch da und ich finde sie nur nicht.

Beispiel Arsenicum album:


Komplemente und Antidote
carb-v chin ip kali-c lach nux-v phos puls rhus-t sulf verat
Komplemente
all-s (lip) anthr (lip) calc-p (lip) carb-v (lip) chin (jahr) ip (jahr) kali-bi (cl) kali-c () kreos () lach (jahr) nat-s (bog) nux-v (jahr) phos (lip) psor () puls (bog) pyrog (lip) rhus-t (lip) sec (lip) sil (vij) sulf (jahr) thuj (lip) verat (jahr)
Antidote
acon (boe3) alum (boe2) am-c (boe2) anac (boe2) arn (boe3) bapt (lip) bell (boe3) bry (boe2) calc (boe3) camph (lip) caps (boe1) carb-ac () carb-an (b97) carb-v (boe3) caust (boe1) cham () chin (jahr) chin-s (lip) cina (boe1) cocc (boe1) coff (boe3) dig (boe3) dulc (boe3) euph (gs) ferr (jahr) graph (jahr) hell (boe2) hep (ral) ign (boe1) iod (boe3) ip (ral) kali-c (boe3) lach (boe3) led (boe2) lyc (boe3) merc (boe3) mosch (boe3) mur-ac (boe2) nat-c (boe2) nat-m (boe3) nux-m (gs) nux-v (ral) ol-j () op (b97) phos (boe2) plb () puls (boe2) rheum (boe2) rhus-t (boe3) ruta (boe2) sabad (boe2) samb (jahr) seneg (boe2) sep (boe3) spong (boe1) stann (boe2) sulf (boe3) tab (lip) verat (jahr)
unverträglich

Folgemittel
ail (i) apis (guer) aran (gs) bar-c (cl) bar-m (cl) blatta (lip) cact (cl) cadm-s (cl) cahin (cl) calen (cl) chel () cic () colch (gs) cupr (vij) eucal (cl) fl-ac (lip) ho (za) kali-ar () ran-s (gs)
Reihe
ars thuj tarent |
? => ars
komplementiert und antidotiert
acon anthr apis arn bell carb-v caust chin ferr graph ip kali-bi kreos lach mag-p phos puls rhus-t sulf verat
komplementiert
acon all-s anthr apis arn bell cact carb-v caust chel chin colch cupr ferr graph ip kali-bi kreos lach mag-p nat-s nit-ac phos puls pyrog rhus-t sec sulf tarent thuj verat
antidotiert
acon alco all-c alum am-c am-m anac anthr apis aran arg-n arist-cl arn arum-t bell bry calc carb-an carb-v carc caust chin chin-ar chin-s cina cocc coff dig dulc elaps euph ferr ferr-p graph hell hep hyper ign iod ip kali-ar kali-bi kali-c kali-i kali-p kreos lach lat-m led leon lyc mag-c mag-m mag-p merc mur-ac nat-c nat-m nat-p nux-m nux-v phos plb puls rheum rhus-t ruta sabad samb seneg sep spong stann sulf tab thyr verat
ist unverträglich nach

folgt gut auf
agar agn bar-c bism borx calen camph cham cic cob con fl-ac kali-s ph-ac ran-s rhod sabin sil spig squil stram tarax tub
Data May 2011
© Franz Lottenbach

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#12

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 23:53
von Ulsch (gelöscht)
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Ah ja - so funktioniert es. Hab den Link gespeichert. Danke und Gruß
Ulli

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#13

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 06.01.2012 23:53
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

Ehrlich gesagt, da finde ich aber den Blasig-Jäger um Längen besser.
Z.B. finde ich da unter Antidoten auch nicht nur die Auflistung der Mittel, sondern auch noch ergänzend dazu, welche Beschwerde sie antidotieren.
Und eben noch das hier erfragte: ggf. Beziehung zwischen akut und chronisch.

Also ich finde, dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Und das für gerade mal 13,- Euro!

Guckt doch einfach mal in die Leseprobe bei Narayana:
http://www.narayana-verlag.de/homoeopath...alt+kapitel.pdf

Z.B. unter Aconitum (S.21 der Leseprobe), da könnt ihr euch eine gute Vorstellung machen, was diese "kleine" Büchlein alles enthält.


zuletzt bearbeitet 06.01.2012 23:57 | nach oben springen

#14

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 07.01.2012 00:19
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Die Erklärungen zu Anfang in der Leseprobe lesen sich, als sei es ein sehr wohlüberlegtes Buch. Das werde ich mal auf meine Haben-wollen-Liste setzen.


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#15

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 07.01.2012 12:32
von Ulsch (gelöscht)
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Ich habs inzwischen auch auf meinem Wunschzettel. Habs mir zu Anfang nicht angesehen, weil ich das kleine Büchlein aus dem Barthel Verlag hab, aber der Leseprobe nach zu urteilen ist das andere Buch besser.

Danke fürs Dranbleiben ;)

Liebe Grüße
Ulli

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#16

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 07.01.2012 14:52
von Maja | 238 Beiträge | 250 Punkte

Die Bücher sind natürlich unersetzlich. Aber zum schnellen Nachschlagen ist ist die Seite gut.

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#17

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 08.01.2012 11:35
von ilse • Administratorin | 2.705 Beiträge | 11447 Punkte

Hm, wie ich mich kenne ... ich täte höchstens zum Schluss in so ein Buch reingucken, wenn ich mich zwischen 2, 3 Mitteln nicht entscheiden könnte. Würde ich vorher reingucken, wäre ich voreingenommen und würde dann nur nach Bestätigungsrubriken für das genannte Mittel suchen.
Darüber hinaus: Diese Angaben zu Chronisch/Akut können sich ja nur auf klinische Erfahrungen stützen, nicht auf die Arzneimittelprüfung. Und dann müsste man ja erst mal klären, ob da überhaupt ein Zusammenhang zwischen der chronischen und der akuten KH besteht. Es gibt Fälle, in denen sich im akuten Zustand die chronische KH zeigt. Es gibt aber genauso Fälle, in denen es um total separate Prozesse handelt, da sind die Symptome im Akuten total anders als im Chronischen.

Was ich eher hilfreich fände, ist der Rehman: Handbuch der homöopathischen Arzneimittelbeziehungen. Aber auch da: ich würde nur im Finale reingucken.
LG ilse

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#18

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 08.01.2012 11:45
von evapierron | 131 Beiträge | 166 Punkte

Ja es gibt ja auch Homöopathen die im Akutfall generell erst mal das chronische Mittel in einer anderen Potenz geben, sofern sie bekannt ist.
Jetzt hab ich mal wieder eine Menge Bücher aur meiner Wunschliste ;)
Das finde ich auch spannend:wann gibt man das Konstitutionsmittel und wann ein Akutmittel?
schönen Sonntag an alle
Eva

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#19

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 08.01.2012 17:03
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Zitat
Ja es gibt ja auch Homöopathen die im Akutfall generell erst mal das chronische Mittel in einer anderen Potenz geben, sofern sie bekannt ist.



So richtig generell, auch wenn es gar nicht paßt, glaube ich allerdings nicht. Sie werden es vielleicht immer auch mit in Erwägung ziehen. Sonst ergibt es doch keinen vernünftigen Sinn. Es gibt ja auch Homöopathen, die ein Mittel nach Auswirken "immer" erst nochmal probieren, ob es nicht doch noch was bringt. Aber auch das werden sie von den Symptomen abhängig machen, ob die überhaupt noch irgendwie passen. Die Worte immer und generell werden vielleicht schon benutzt, kann mir aber nicht vorstellen, daß diese Homöopathen dann auch tatsächlich immer so handeln, egal, wie der Fall in dem Moment aussieht.

Zitat
Das finde ich auch spannend:wann gibt man das Konstitutionsmittel und wann ein Akutmittel?



Mir behagt diese Extremunterscheidung nicht so, wie ich schon erwähnte, weil man mindestens manchmal erstmal gar nicht so richtig unterscheiden kann, was denn nun wirklich rein akut ist und was nicht. Ich finde auch Ilses Beharren auf dem Blick auf die gegebenen Symptome gut, ohne sich vorher in Schemata festzusetzen. Also eigentlich wäre dann die Antwort auf die Frage: Man gibt das, was paßt.


Artificiosa non durant
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(Wappenspruch der Familie von Puttkamer)

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#20

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 09.01.2012 22:39
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

Zitat
Hm, wie ich mich kenne ... ich täte höchstens zum Schluss in so ein Buch reingucken, wenn ich mich zwischen 2, 3 Mitteln nicht entscheiden könnte.


Genau so ist es ja auch gedacht. Es wird von allen verlässlichen Autoren betont, daß das Prinzip der Ähnlichkeit das erste und wichtigste Auswahlkriterium für die Mittelwahl darstellt.
Nur wenn zwei oder mehrere Mittel in Konkurrenz stehen und sich keines mit Verlässlichkeit (nach allen Regeln der Kunst) wählen läßt, sollte man einem verwandten und/oder komplementären Mittel den Vorzug geben.
(Bönninghausen "Verwandschaft der Arzneien": verwandte Mittel sind gegenseiteige Antidote -> im Blasig-Jäger sieht man häufiger, daß ein Mittel sowohl unter Komplementärmitteln, als auch unter Antidoten aufgeführt ist.)

Gerade bei einseitigen Krankheiten und ihrer Behandlung nach §§179-184 sind die Arzneimittelbeziehungen wichtig und aus solchen Fällen stammen zu einem großen Teil die Erfahrungen.

Die schriftliche Aufzeichnung der Beziehungen chronisch und akut sind etwas später erst auffällig geworden, aber doch durch mehrer Fälle verifiziert.

Natürlich darf man nie den ersten Grundsatz vergessen, aber die Kenntniss der Arzneimittelbeziehungen macht einen homöopathisch beweglicher.



Der Rehmann ist ja auch schön und gut, aber *puh* schon sehr viel (ich finde ihn weniger griffig für die Praxisarbeit, aber durchaus auch interessant) UND sehr teuer (ca. 80,- Euro). Ich würde aus heutiger Sicht eher auf den Kauf verzichten. Auf meinen Blasig-Jäger nie.


zuletzt bearbeitet 09.01.2012 22:40 | nach oben springen

#21

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 09.01.2012 23:10
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

Zitat
Das finde ich auch spannend:wann gibt man das Konstitutionsmittel und wann ein Akutmittel?

Nach Analyse des Fallverlaufs und der ermittelten Symptome entscheiden

Naja, in jedem Fall ein "Akutmittel" gibst du auch bei chron. Leiden, wenn es zu einer Exacerbation kommt, deren Stärke eine schnelle Abhilfe notwendig macht.
Oder in einer intercurrenten Erkrankung während der chronischen Behandlung, wenn der Zustand des Patienten ein Abwarten nicht zulässt und wenn dieses Akutmittel die Symptomatik besser abdeckt.
Und das ist wohl nicht so selten, wenn ich hier mal eine Anmerkung von André Saine dazustellen darf:
•50% der Akutfälle brauchen ihr chronisches Mittel. Aber in der chron. Behandlung brauchen 90% ein anderes Akutmittel

Saine gibt auch in einer intercurrenten akuten Erkranken immer ein Mittel, wenn es den Akutzustand eindeutig abdeckt und wartet nicht ab, ob es allein wieder vergeht (wenn ich ihn richtig verstanden habe)


Und war das nicht Hahnemann der sagte, daß man bei der Behandlung der Wechselfieber erst (sozusagen akut) ein amiasmatisches Mittel wählt und nach dem akuten Geschehen erst das antimiasmatische Mittel folgen läßt..? Mir fällt gerade nicht ein, wo ich das als geschriebenes Wort finden kann.


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#22

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 10.01.2012 11:02
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Zitat
Oder in einer intercurrenten Erkrankung während der chronischen Behandlung, wenn der Zustand des Patienten ein Abwarten nicht zulässt und wenn dieses Akutmittel die Symptomatik besser abdeckt.
Und das ist wohl nicht so selten, wenn ich hier mal eine Anmerkung von André Saine dazustellen darf:



Ich habe das schon gehabt, so meine ich, ich kann mich sogar konkret an meine Frage erinnern an die H., als mal ein akutes Problem auftrat, warum ich denn nun nicht mein Konst.mittel bekomme (ich dachte, sie hat das vielleicht vergessen *gg), worauf sie entschieden sagte: "Nein, jetzt müssen wir erst mal das (Akute) behandeln". Ich weiß noch, ich fand meinen akuten Gemütszustand passend für das Konst.mittel, es war aber auch ein akutes körperliches Symptom aufgetreten, und das hat sie behandelt. Das fand sie glaube ich damals gefährlich, denn sie hat richtig mit mir geschimpft, so empfand ich das, so ungefähr, ich solle vernünftig denken. Weil ich das Symptom durch ein emotionales Reinsteigern in eine Sache ja hervorgerufen habe (das ist meine Interpretation, aber ich bin ziemlich sicher, so hat sie es gemeint) - versteht jemand, was ich meine. So ganz verstanden hatte ich ihr Vorgehen damals nicht, denn das Symptom hatte schon mit meiner Grunderkrankung direkt zu tun, aber geholfen hatte das Mittel. Es war ein körperliches Symptom, das vorher auch chronisch schon dagewesen war, und dann akut durch diesen Auslöser aufflammte (besondere Situation, in die ich mich akut emotional reinsteigerte sozusagen).

So ist das doch gemeint, oder?

Zitat


•50% der Akutfälle brauchen ihr chronisches Mittel. Aber in der chron. Behandlung brauchen 90% ein anderes Akutmittel



Diesen Satz oben verstehe ich allerdings in seiner Logik nicht. ?

Zitat
Saine gibt auch in einer intercurrenten akuten Erkranken immer ein Mittel, wenn es den Akutzustand eindeutig abdeckt und wartet nicht ab, ob es allein wieder vergeht (wenn ich ihn richtig verstanden habe)



Wenn man das nicht tun würde, hätten doch z.B. die Weisheitszahnbeschwerden meines Sohnes auch nicht gesondert behandelt werden dürfen, oder? Die H. sagte übrigens dazu, daß das sein Konst.mittel nicht stören würde.

Zitat

Saine gibt auch in einer intercurrenten akuten Erkranken immer ein Mittel, wenn es den Akutzustand eindeutig abdeckt und wartet nicht ab, ob es allein wieder vergeht (wenn ich ihn richtig verstanden habe)



Meine H. hat noch nie abgewartet, daß eine auftretende akute Erkrankung von allein vergeht. Auf die Idee bin ich auch selber noch nie gekommen, daß ich nun akute Sachen unbehandelt aussitzen müßte, "nur" weil ich in konstitutioneller homöopathischer Behandlung bin.


Hier habe ich noch gut Ausführungen zum Thema gefunden:

Zitat
Using Acute Intercurrent Remedies

Modern homeopaths no longer understand how to use an acute intercurrent remedy. These remedies have been called everything from drainage remedies and tandem remedies to support and lesional remedies. Too many so-called masters, who claim to be constitutional prescribers (homeopaths who say they do chronic "layer" prescribing), totally forbid the use of acute intercurrent remedies and misinform others by saying that the use of acute remedies during the administration of a chronic remedy is suppressive. These individuals always try to find one remedy that goes throughout the chronic case history, no matter what the patient's present acute disease state may be. They use this "constitutional" remedy for everything, no matter what disease state arises! This limited view is too extreme for the general practitioner of homeopathic healing.

Why does this very rarely work? We only have to refer to Aphorisms 36-40 of the Organon on similar and dissimilar diseases. In Aphorism 38, Hahnemann tells us that the stronger and dissimilar acute disease will postpone or suspend the old chronic and weaker disease. Thus, administering the constitutional/chronic remedy during emergencies such as dangerous pathological crises, severe traumas, overexposure, serious injuries, and virulent acute miasms, is a serious mistake as it runs the risk of disrupting the natural symptom pattern and causing unproductive aggravations as well as accessory symptoms of the chronic remedy!


Hier weiterlesen: http://www.txoptions.com/articles/intercurrents.php

Dort wird auch gesagt:

Zitat
The reason some homeopaths speak about disrupting their chronic cases with acute remedies is that they do not know the strategy behind using acute intercurrents. As mentioned above, if you use the exciting cause and active symptoms of the acute syndrome as a basis for selecting a remedy (VB method), then the intercurrent will not disturb the chronic condition. But if, during an acute attack, the homeopath continues to administer a deeper-acting chronic remedy, which envelopes the previous deeper and often different fundamental causes, this may disrupt the natural symptom layers. Simply put, one-dimensional constitutional prescribers are afraid of treating acute diseases because they do not know how to do it.



Damit ist wohl das Gleiche gemeint, wie Du hier beschreibst, seserass, oder?


Zitat
Und war das nicht Hahnemann der sagte, daß man bei der Behandlung der Wechselfieber erst (sozusagen akut) ein amiasmatisches Mittel wählt und nach dem akuten Geschehen erst das antimiasmatische Mittel folgen läßt..? Mir fällt gerade nicht ein, wo ich das als geschriebenes Wort finden kann.



Jedenfalls verstehe ich das nun langsam besser, so meine ich zumindest.

P.S.:
Hier ist doch eigentlich mein Fall von damals erklärt (unter: What acute events need an incurrent Remedy?):

Zitat
B. Acute situations with a clear exciting factor and strong symptoms

If the exacerbation is moderate to strong, and a clear causality is manifested, an intercurrent remedy, which acts superficially on the chronic miasm, may be chosen according to the VB method, rather than giving a deep-acting polychrest. This will calm the symptoms for the moment without acting too deeply on the case. After the crisis has subsided, complementary constitutional treatment is needed to remove the underlying cause.

Examples of causality include:

(...)
Emotional trauma – You must look at the kind of trauma as well as the patient’s reaction to the trauma, which will be determined by the patient’s active miasmatic state. Remember, the trauma can wake up the miasm! The “Mind” section of Kent’s repertory gives many examples of emotional causalities. The patient’s miasmatic reaction to these triggers will help you select the appropriate remedy



Das ist ja echt spannend. Und diesen Fall hatten wir genau so auch schon mal in der Familie:

Zitat
Margaret Tyler wrote in her book Homeopathic Drug Pictures (in the lecture on Natrum muriaticum (Nat-m.) about a crisis situation where she treated a chronic Nat-m. patient with a severe acute headache. She advises against the use of the chronic constitutional remedy at this time because it may produce severe aggravations. Instead, she suggests using the acute of Nat-m., Bryonia, to deal with the acute crisis. Afterwards she resumes the chronic remedy to remove the underlying cause. This advice comes from years of clinical experience and should not be ignored. It also means that you do not continue Bryonia once the acute stage is over, as I have seen some homeopaths do!


Der Zustand war damit sofort behoben. Kann mich auch nicht erinnern, daß es danach noch jemals Bryonia gab.


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zuletzt bearbeitet 10.01.2012 12:07 | nach oben springen

#23

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 10.01.2012 15:07
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

Genau. Schöner Text, den muß ich mir nochmal in Ruhe zu Gemüte führen... bei Englisch knirscht das Hirn schon ein bißchen ;-).

Zitat

Zitat
•50% der Akutfälle brauchen ihr chronisches Mittel. Aber in der chron. Behandlung brauchen 90% ein anderes Akutmittel



Diesen Satz oben verstehe ich allerdings in seiner Logik nicht. ?


bezieht sich auf 50 % der Akutfälle bevor sie homöopathisch behandelt werden. Z.B. jemand mit ständigen Nasennebenhöhlenvereiterungen kommt im akuten Zustand - dann ist das ermittelte Arzneimittel in 50% der Fälle identisch mit dem chronischen Mittel, das der Patient auch weiterhin braucht, nachdem der die akute Nebenhöhlenvereiterung beseitigt ist.
Ist jemand hingegen schon in homöopathischer Behandlung und wird dann akut krank, dann braucht er meist ein anderes Mittel.


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#24

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 10.01.2012 18:20
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Ah ja, jetzt habe ich es verstanden. Danke für die Erklärung.
Ich übersetze gern mal den Text, wenn das auch noch in zwei Wochen interessant wäre, vorher schaffe ich es wahrscheinlich nicht.


Artificiosa non durant
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#25

RE: Chronische und akute Mittel

in Allgemeines zur Homöopathie 11.01.2012 02:04
von seserass | 233 Beiträge | 241 Punkte

Huch, war ich so lange nicht hier? Sind die zwei Wochen schon um?

Hab´s gerade unter "Bücher" entdeckt... ;-).

Danke dir!


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