#1

Potenzwahl

in Allgemeines zur Homöopathie 28.11.2008 08:26
von Medusa (gelöscht)
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frisbee
Moderator Geschrieben am 13.07.2007 12:05


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Hallo,

habe mal eine Frage über das umfassende Thema Potenzwahl.

Hm, wo fange ich da an...ich hab neulich eine Kasuistik gelesen, in der der Hom. eine neidrigere Hochpotenz gab (ich glaube, es war eine C30 oder C200) und es passierte keinerlei Reaktion. Daraufhin gab er eine hohe Hochpotenz (glaub C 10.000) und die heilte dann. Ich war eigentlich immer der Meinung, dass, wenn das Mittel richtig ist, zumindest eine leichte Reaktion eintritt. Ich kann doch nicht, auch wenn ich mir sicher bin, dass das Mittel gut gewählt ist, einfach von der C30 an aufwärts alle Potenzen ausprobieren, bis eine Reaktion eintritt??

In einem anderen Buch las ich, dass Erstreaktionen gerade bei Hochpotenzen (ab C200) deutlich geringer wären, als bei niedrigeren Potenzen. Liegt das daran, dass die Hochpotenzen mehr auf geistiger Ebene, weniger organotrop wirken? Diese Aussage hat mich etwas verwirrt.

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo Marion,

a) Es ist eine Regel, daß man, wenn man das Mittel sorgfältig gewählt hat und sich seiner relativ sicher ist, es immer erst mit höheren Potenzen probieren soll, ehe man das Mittel wechselt. War der Patient eher unempfindlich und seine Lebenskraft brauchte einen stärkeren Anstoß, kann es durchaus sein, daß eine zu niedrige Potenz gar nichts bewirkt.

b) Was für ein Buch war das? Die Aussage hat Dich zu Recht "verwirrt", denn sie ist nämlich offensichtlicher Unsinn. Nur bei LM-Potenzen, die man natürlich wegen der extremen Verdünnung als "hoch" einstufen kann (dafür haben sie viel weniger Schüttelschläge), wobei bis heute eine "Vergleichstabelle" LM vs. C nicht existiert und wohl auch nicht möglich ist, wird gesagt, daß sie "sanfter" und mit geringeren bis gar keinen Erstverschlimmerungen wirken. Vielleicht hat der Autor daraus falsche Schlüsse gezogen. Ich selbst habe mit LM-Potenzen gar keine eigenen Erfahrungen, weil ich fast ausschließlich mit C-Potenzen arbeite.
Was C-Potenzen angeht, verhält es sich genau umgekehrt. Je höher die Potenz, deto heftiger kann die Heilreaktion ausfallen. Das ist ja auch der Grund, warum man sehr alten, schwachen oder moribunden Patienten keinesfalls höhere Potenzen als C 30 geben darf - weil die Heilreaktion, die auf eine höhere Potenz zu erwarten wäre, die schon stark geschwächte Lebenskraft des Patienten überfordern und ihn damit umbringen könnte.
Man wundert sich immer wieder, was so alles geschrieben und gedruckt wird...
LG
Thomas

In Antwort auf:
Hallo, Marion,
ich gebe mal verkürzt wieder, was Classen schreibt:
Wann eher höhere Potenzen?
- in akuten Notfällen oder bei akuten Krankheiten mit heftigem Verlauf, Unfallschock, Gehirnerschütterung usw.: C1000 oder 10.000 ist geeignet. Bei Pneumonie u. ä. reicht normalerweise C 200.

- zur Fortsetzung der Behandlung chronischer Beschwerden, nach Beginn mit mittlerer Potenz.

- Hochpotenzen beschleunigen den Heilungsverlauf. Aber nicht aus Ehrgeiz übers Ziel hinausschießen, um evtl. anhaltende Prüfsymptome zu vermeiden.

- je genauer die Arznei den Kern des Problems trifft und je tiefer das Problem geht, desto höher DARF die Potenz sein.
Dabei darauf achten, daß nicht mehr angestoßen wird - körperlich und geistig -, als der Patient verarbeiten kann.

- es stimmt nicht, daß erst mit Höchstpotenzen ab C 10.000 höhere geistige Ebenen erreicht werden können.
LG ilse

In Antwort auf:
@Ilse
Das deckt sich ja mit dem, was ich gelernt habe. Welches Buch von Classen ist das?

@Thomas
LM, klar, die hat Hahnemann ja genau wegen der geringeren Erstverschlimmerung entwickelt. Ich meinte schon die C-Potenzen mit denen auch ich überwiegend arbeite.
Das ist dann eine Zwickmühle, wenn ich z.B., wie Du im zweiten Teil beschrieben hast, einen Pat. habe, der z.B. alt und schwach ist, kann man es dann wirklich wagen, von einer C30 auf eine C200 zu gehen? Eigentlich ist man sich ja bei jedem Mittel "sicher", dass es das passende Mittel ist, sonst würde man es ja nicht wählen und trotzdem könnte man mit der Mittelwahl "falsch" liegen...Ok, wenn eine z.B. C30 Wirkung gezeigt hat, die dann nachlässt, dann gehe ich auch erstmal hoch, bevor ich wechsele...Hm, schwierig.

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo Marion,
ich habe mal einem Hahn, bei dem ich mir so sehr sicher war, daß er Pulsatilla ist (total auffällig für einen - nicht handaufgezogenen - Hahn auf dem Hühnerhof, daß er sich nicht nur anfassen ließ, sondern sehr zutraulich war und Kraulen und Schmusen genoß; war auch bei sehr kühlem Wetter gerne draußen, wenn die anderen Hühner überwiegend im Stall waren), dem es aber schon sehr schlecht ging (gichtig-rheumatische Beschwerden) als Anfangsdosis eine C 200 verabreicht, und am nächsten Tag war er tot. Das war mir eine Lehre. Heute würde ich C 30 geben oder vielleicht sogar nur C 12.
Das Mittel war ganz sicher richtig - nicht zuletzt ist ein Hinweis darauf, daß er kurz darauf starb. Die C 200 hat seine schon sehr schwache Lebenskraft überfordert.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Hallo, Marion,
das ist aus den Studienblättern von Classen. Sehr zu empfehlen. Er erklärt darin eigentlich alles, was man wissen muß, und zwar sehr einleuchtend und praxisbezogen.
Ein solides Fundament.
LG ilse

Noch was zu den Alten und Hochpotenzen: Alt heißt nicht automatisch schwach. Wenn ein alter Mensch eine robuste Konstitution hat, verträgt er auch Höchstpotenzen.
Bei alten Tieren ist das wahrscheinlich schwieriger zu beurteilen, weil die nichts sagen können und oft auch schwere Krankheiten erst zeigen, wenn es nicht mehr anders geht.

In Antwort auf:
Nuja, ich kenne "alte" Menschen, die fiter sind als ich... . Nee ich meine schon alt "und" schwach.
Buch klingt gut, habs mir gerade mal durchgelesen, werd ich mir wohl bestellen. Danke.

Thomas, genau deshalb habe ich da so meine Schwierigkeiten mit. Würdest Du heute in einer gleichen (bzw. ähnlichen) Situation nach fehlender Reaktion einer C30 auf eine C200 gehen? Ich weiss nicht, ich hätte dabei irgendwie kein gutes Gefühl...

LG Marion

In Antwort auf:
Nun Marion,

ich persönlich finde eine C30 als eine gute Einstiegspotenz und ich halte es auch in der Regel so. Wenn ich mir absolut sicher bin und mir keinerlei Zweifel an einer Verschreibung hochkommen, dann gehe ich meistens auf eine C1000.

Das mit der fehlenden Reaktion auf eine C30 ist nicht so einfach wie es scheint. Die meisten erwarten viel zu schnell eine Reaktion von einer einmaligen Gabe und geben zu früh eine höhere Potenz oder gar ein anderes Mittel. Ich habe in meinem kleinen Familienkreis oftmals auch eine verspätete Reaktion auf eine C30 feststellen können. Hätte ich da vorschnell nachgelegt oder gar ein anderes Mittel gewählt, wäre der Verlauf für mich nicht mehr klar gewesen. Meist konnte ich beobachten, das nach einer ersten "verspäteten Reaktion" das gleiche Mittel in gleicher Potenz viel schneller wirkte. Erst wenn die Abstände der Wirkdauer kürzer werden und gegen null tendieren gebe ich die nächst höhere Potenz.

Liebe Grüße
Frank

In Antwort auf:
Hallo Marion,

Zitat:

frisbee schrieb am 13.07.2007 15:20 Uhr:
Thomas, genau deshalb habe ich da so meine Schwierigkeiten mit. Würdest Du heute in einer gleichen (bzw. ähnlichen) Situation nach fehlender Reaktion einer C30 auf eine C200 gehen? Ich weiss nicht, ich hätte dabei irgendwie kein gutes Gefühl...


Ein Mensch oder Tier, bei dem eine C 30 gar nichts bewirkt, wird an einer C 200 nicht sterben. Das halte ich für ausgeschlossen, weil diese beiden Potenzen nicht so weit auseinanderliegen. Der Hahn hätte, da bin ich sicher, selbst auf eine C 30 deutlich, vielleicht sogar heftig, reagiert. Deshalb sagte ich ja, vielleicht nur C 12. Keiner wird ja so unvernünftig sein, wenn ein Patient auf eine C 6 nicht reagiert hat, eine C 50000 folgen zu lassen. Wenn man sich - unter Einhaltung gewisser Wartefristen, sofern dazu noch Zeit ist - an die richtige Potenz herantastet, wird nichts Schlimmes passieren.
LG
Thomas



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