#1

Brauche eure Hilfe!

in Allgemeines zur Homöopathie 26.11.2008 13:50
von Heidjerin (gelöscht)
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Geschrieben am 04.06.2006 21:37 von Susi

Ich sitze gerade über einem Fall, den ich -gedanklich- lösen möchte. Als Nicht-Heilpraktikerin darf ich ja keine Menschen behandeln, denke aber dennoch darüber nach, was die Patientin wohl für ein Mittel bräuchte. Da ich noch nicht nach einer Erlaubnis gefragt habe, den Fall zur Diskussion zu stellen, hier nur ein paar Symptome:

- Verachtet Menschen (aufgrund ihrer zerstörenden Eingriffe in die Natur)
- Tiere liebt sie umso mehr
- findet die Todesstrafe "ok" (eine Einstellung die bei Personen aus unserem Kulturkreis und mit hohem Bildungsniveau wohl selten ist)
- bleibt gelassen (kein Mitgefühl) angesichts tausender Tote durch Tsunami, Erdbeben etc.
- hält sich selbst aber auch schlecht weil sie sich für zwangsläufig mitschuldig an der Zerstörung der Natur hält
- es ist als sei nur Verstand vorhanden, in die Gefühlswelt kann man kaum vordringen
- durchdringender Blick, kaum Mimik
- volle, rote Lippen die sie häufig leckt
- viel Akne (wird als belastend bzw. Hauptbeschwerde II) empfunden
- sehr häufiges Wasserlassen, z.T. leichte Inkontinenz
- Menstruation zu spät, Blut dunkel, klumpig; Schmerzen nach unten ziehend (Hauptbeschwerde I)

Viel Psorisches, Sulph (c30, c200) hat auch schon in vielen Dingen geholfen, aber die Hauptbeschwerde noch nicht gebessert.

Habt Ihr Ideen? Habe mal was von Aethusa in Zusammenhang mit der Tier- und der fehlenden Menschenliebe gelesen, weiß aber nicht ob das ausreicht um den Fall zu lösen?

Danke schon mal für eure Meinungen!

Susi

In Antwort auf:
Hallo Susi,
manches kommt mir bekannt vor;-)
Mein Mitgefühl gegenüber Tieren ist auch stärker ausgeprägt als das gegenüber Menschen, wenn auch nicht so extrem.
Ich würde in Deinem Fall über Causticum und über Arsenicum album nachdenken. Beide haben dieses Jakobinerhafte, diese Rigidität, dieses "Über-Leichen-Gehen" für Ideale oder die Gerechtigkeit. Nur daß Arsenicum album autoritär und autoritätshörig ist, während Causticum gegen Autoritäten aller Art rebelliert. Das dürfte zwischen diesen beiden Mitteln entscheiden. Die Frage ist immer, was aus dem Autoritätsgegner wird, wenn die Revolution gesiegt hat (Robbespierre ist ein gutes Beispiel!). Aber das führt hier zu weit.
Die Inkontinenz spricht auch für Causticum, ebenfalls das "Kopflastige" und Menses, verpätet.
LG
Thomas


In Antwort auf:
Hallo Thomas,
danke für deine Gedanken. Ich hätte doch ausführlicher schreiben müssen, denn schon ist das Bild verzerrt: eine wichtige Komponente scheint zu sein, dass ihr jegliches Kämpferische fehlt. Sie sagt, dass sie lieber nichts sagt, aus Angst sonst im Mittelpunkt zu stehen, will keine Aufmerksamkeit, sondern Harmonie. Passt auch zum schweren Körperbau und dem phlegmatischen Temperament. Angst hat sie vor Aufgaben, denen sie nicht gewachsen ist, also Angst zu versagen. dAs schlimmste GEfühl ist auch, wenn man von ihr etwas verlangt von dem sie weiß dass sie es nicht kann. ES ist unklar ob die Befürchtung überwiegt, ausgelacht zu werden oder die, zu etwas gezwungen zu werden. Das konnte sie nicht genau differenzieren. Auf die Frage, wie sie sich in so einer Situation fühle, beschrieb sie das mit 'niedergedrückt werden'. Also ich komm da nicht weiter, mir fehlen auch Repertorien und Hilfen wie Radar oder Synthesis, bzw. die Kenntnis und Sicherheit der (Gemüts-) Rubrikenwahl :-(

Liebe Grüße,
Susi


In Antwort auf:
Hallo, Susi,
Carcinosin ist auch ein Mittel, das die Tiere mehr lieben kann als die Menschen - weil sie so hilflos sind, wehrlos ausgeliefert (wie sie selbst?). Auch Carc hat ein starkes Verlangen nach Harmonie, aber auch reizbar, Versagensängste. Sehr pflichtbewußt, perfektionistisch, fühlt sich schuldig (Nat-m - u. a. - gibt sich auch die Schuld an allem Möglichen).
Aber allein diese Gemütslage läßt noch keine Mittelwahl zu.
Versuch mal rauszukriegen, wann das begonnen hat, wer sie so enttäuscht hat, daß sie mit Menschen kein Mitleid hat bzw. ob das auch für Menschen ihrer Umgebung gilt.
Grüße, ilse


In Antwort auf:
Hallo Susi,
nach Deinem zweiten Posting stellt sich die Sache natürlich völlig anders dar. Da hört es sich am ehesten nach einer schweren Natrium-muriaticum-Pathologie an. Aber auch Carcinosinum kammt, wie Ilse schon schrieb, stark in Betracht. Du solltest in dieser Richtung mal Fragen stellen.
LG
Thomas


In Antwort auf:
Liebe Ilse, lieber Thomas,

ihr habt recht, die Vermutung dass dieser Einstellung eine Enttäuschung zugrunde liegt, drängt sich sehr auf. Natürlich habe ich auch nachgefragt, vermutlich schon zu penetrant und sträflich suggestiv (allerdings haben wir auch ein Vertrauensverhältnis), aber da kommt nichts! Carc ist mir zu heiß, da gibt es auch keine Hinweise auf körperl. Ebene, auch nicht in der Fam.-Anamnese. Nat-mur scheint mir fast zu einfach, ich bin mir auch nicht sicher, dass es da einen auslösenden Kummer gibt. Für mich ist diese Einstellung noch nicht ganz ausgereift, aufgrund des Alters (21) sollte man das vielleicht anders bewerten als bei einem 40-jährigen. Aber es kommt ja woher. Was meint ihr? Könnte da auch was mit Ablehnung von Männern oder auch der eigener Weiblichkeit dahinterstecken??? Stichwort: Vater verlässt Mutter und Tochter zwar ohne Groll zu hinterlassen, alles angeblich null Problem, verstehen sich alle super, Vater hinterlässt aber das Gefühl, unfähig zu sein im Gegensatz zu Mutter u. Tochter die alleine ein Haus grundsanieren... Und so 'aufgerüschte' Mädchen findet sie ganz schlimm. Hat aber einen Freund (der mir sehr lieb und sanft erscheint).
Rätselnde Grüße,
Susi


In Antwort auf:
Hallo, Susi,
Vater haut ab, aber null Problemo? Das kann ich nicht glauben.
Wie reagiert sie denn, wenn sie wütend, traurig ist, schreit, weint, allein, will Trost ...
Ein Zug scheint ihre (scheinbare?)Unbewegtheit zu sein (gefühlsmäßig und körperlich = Phlegma, unbewegte Gesichtszüge. Gleichzeitig schuftet sie aber im Haus, überfordert sich? Pflichtbewußtsein. Aber wenn sie sich nicht äußert, bleibt das alles Spekulation.
Arbeite doch erst mal die körperliche Symptomatik aus, das sind ihre Hauptbeschwerden. Die verspätete Menses, klumpig, dunkel, Herabdrängen plus Akne passen auch z. B. zu Sep, Puls, Plat ... Da mußt du noch nachforschen - wann war die erste Menstruation, Schmerzen vorher, während, danach, was bessert, verschlechtert usw., Begleitbeschwerden. Ebenso die Akne, wie sieht sie aus, welche Stellen ...
Harndrang Tageszeit, plötzlich, reichlich, unwillkürlicher Abgang bei welchem Anlaß - Husten, Gehen, Lachen, Niesen ...
Dazu noch paar Allgemeinsymptome wie Kälte, Hitze, Wetter, Schlaf, Stuhl.
Da müßte eine kleine Auswahl von Mitteln übrig bleiben, und von denen siehst du dir die AMB an, welches paßt am besten zu ihrem psychischen Strickmuster.
Grüße, ilse


In Antwort auf:
Liebe Ilse,
danke dass du mich auf den Boden zurückbringst, ich werde es wohl genau so machen. Ich habe in letzter Zeit das Gefühl bekommen, dass die Mens-Probleme, die ja als Anzeiger für das gestörte Seelenleben gilt, begriffen werden muss, eben als Spiegel der zentralen Störung. Die liegt 100% in einem Angst- oder ähnlich gelagertem Problem, deshalb habe ich mich ausnahmsweise so sehr darauf konzentriert. Aber mir fehlt der backround und /oder die Fähigkeit um an die 'basic delusion' zu kommen. Möchte auf keinem Fall was interpretieren. Vielleicht hilft das so gewählte (also lege artis wie du es auch beschreibst Ilse) Mittel, um eine Schicht weiter nach innen zu gelangen.

Danke nochmal. Einen schönen Abend und bis bald,
Susanne


In Antwort auf:
Hallo Susi,

Zitat:

....Nat-mur scheint mir fast zu einfach, ....


Zu einfach ist kein Argument. Oft ist es sehr einfach. Bailey schreibt (in: Psychologische Homöopathie), daß nach seiner Erfahrung in den modernen, entwickelten westlichen Industriestaaten ca 40 % der Patienten Natrium muriaticum brauchen. Das scheint mir auch einleuchtend: Immer weniger oder lockerere Familienverbände, immer weniger Nestwärme, immer mehr alleinerziehende Eltern, sehr viele schon elementar frühkindliche Enttäuschungen, die nur materiell, aber nicht seelisch und geistig ausgeglichen bzw. kompensiert werden: Das ergibt ein riesiges Potential für Natrium muriaticum. Es ist wie bei den Kunstbruten und handaufgezogenen Papageien. Die brauchen auch zu einem sehr großen Teil Natrium muriaticum, weil ihnen die Eltern und die Nestwäme gefehlt haben. Ich will Dich nicht dahingehend beeinflussen, daß es das sein muß - aber "zu einfach" lasse ich nicht gelten. Ilse hat natürlich Recht, daß auch die körperlichen Symptome ordentlich repertorisiert gehören - aber nach den "§ 153ern" sind die Gemütssymptome doch immer die wichtigsten.
P.S.: Andreas Krüger weist immer wieder darauf hin, daß bei "Vaterlosigkeit", dem Gefühl, vom Vater verlassen zu sein, sehr oft Medorrhinum benötigt wird. Nur so als Idee, um es nicht zu vergessen. Die übrigen Symptome scheinen mir aber nicht sehr stark auf Medorrhinum hinzudeuten. Medorrhinum ist lauter und großmäuliger.
Und ebenso wie Ilse glaube ich nie im Leben, daß das "keine Probleme" gemacht hat. Es hat nur bei allen Beteiligten (Mutter und Tochter) frühe emotionale Panzerungen (das ist wieder typisch Natrium muriaticum) bewirkt und hinterlassen. Nach außen ist alles okay, ich lasse niemanden und nichts mehr an mich herankommen, nur, um nicht wieder enttäuscht zu werden. Das ist Natr.-mur. in Reinkultur.
LG
Thomas


In Antwort auf:
Hallo zusammen,

ich kann Thomas nur zustimmen. Ich habe selbst in meinem eigenen Fall zu kompliziert gedacht und das naheliegende verworfen. Warum soll es denn nicht ein Polychrest sein?

LG
Frank

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