#1

Similimum Falle, Erfolgszwang

in Allgemeines zur Homöopathie 26.11.2008 20:42
von Medusa (gelöscht)
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Ulla
Moderator Geschrieben am 26.07.2006 22:01


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Hallo,

hier ein kleiner Abschnitt aus CHARAKTERE HÖMÖOPATHISCHER ARZNEIMITTEL von Edeltraud und Peter Friedrich, der mich sehr beeindruckt hat:

Zitat:
Mit der Suche nach dem Simillimum wollen Homöopathen das Krankheitsgeschehen auf schnellste Art verschwinden lassen, damit sowohl dem Therapeuten als auch dem Patienten eine fordernde Folgebehandlung erspart bleibt.

Sie wollen mit ihrem "Simillimum" tiefe Erkrankungsstrukturen lösen, so wie Alexander der Große den Gordischen Knoten durchtrennt hat - gewaltsam mit einem einzigen Schwerthieb.

Diese überaus von Leistung und Ehrgeiz geprägten Gesichtspunkte können so manchen tüchtigen Homöopathen an den Rand einer Profilneurose bringen, denn sollten im Zuge der Arzneimittelgabe die Symptome des Kranken nicht bald verschwinden, so hätte er ja das "Simillimum" verfehlt und somit kläglich versagt.

Vom sog. "Simillimum" wird schließlich erwartet, daß es nach seiner Verabreichung mühelos und unbemerkt den pathologischen Zustand des chronisch Erkrankten verschwinden läßt, was sowohl einer trügerischen Illusion als auch eine intensive Unterdrückung ist.

Eine zu schnelle Bewältigung der Aufgabe, d.h. Spontanheilung durch ein "Simillimum", ist - ohne eine entsprechende Bewußtwerdung - immer eine extreme Verdrängung oder Unterdrückung....

Genau darüber mache ich mir schon länger Gedanken und jetzt steht es hier plötzlich schwarz auf weiß!...

Eure Meinung wäre auch sehr interessant! Mag sich jemand äußern?

LG
Ulla

In Antwort auf:
Hallo, Ulla,
was suchen die Friedrichs denn stattdessen? Ein Mittel, das bloß lindert, oder eines, das immer nur auf einen Teil der Symptome wirkt? "Iihh, das Mittel ist ja total ähnlich - das kann ich Ihnen nicht verordnen ... Sie kriegen jetzt erst mal was für die Kopfschmerzen, und Ihre Magengeschwüre gehen wir nächstes Jahr an."

Eine Unterdrückung oder Verdrängung kann ein Mittel produzieren, das nur nach oberflächlichen Symptomen ausgesucht ist.

Irgendwie geht da irgendwas durcheinander ;-) Ich habe den Verdacht, daß das in Richtung konstitutionelle Behandlung geht - konstitutionell so (falsch) verstanden, daß man dafür alle Symptome zusammennimmt, die ein Kranker jemals in seinem Leben hatte.
Oder miasmatische Behandlung (ebenfalls falsch verstanden). Auch da wird nämlich nach dem Miasma verordnet, das gegenwärtig aktiv ist.

Und wie soll denn die Bewußtwerdung vor sich gehen, durch begleitende Psychotherapie?
Sehr merkwürdig - das sind doch die, die eine Prüfung nach der anderen durchziehen und immer ganz viele Symptome finden, und die sind dann auch noch in Nullkommanix 3wertig (= sehr oft in Prüfungen aufgetreten und mehrfach durch Heilung bestätigt) in den Reps zu finden.
Grüße, ilse
Es regnet, es regnet ...

In Antwort auf:
Hallo Ihr beiden,

hier regnet es leider nicht.

Ich denke ich weiß was Ulla meint. Der Anspruch den ein klassischer Homöopath hat ist sehr hoch. Der Wald- und Wiesenheilpraktiker oder der Schulmediziner sieht die Symptome an sich und darin auch die Erkrankung. Genau diese wird behandelt. Der klassische Homöopath ist wie ein Schachspieler, der immer mehrere Züge im voraus oder auch zurück denken muß um zu einem Lösungsweg zu kommen. Hahnemanns Grundgedanke lag in der Heilung und nicht in der Behandlung. Das hat schon was göttliches und fast unerreichbares, oder?

Nun stehen wir vor dem Konflikt, mit unserem Wissen um die Grundidee, dies 1:1 umzusetzen. Was nur selten gelingt. Da kommt schnell Frust auf. Bei mir ist das zumindest so. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, das ich zunächst i.d.R. nur Teilerfolge sehe und erst im Laufe der Behandlung der Fall klarer wird. Nicht das die wirkliche Symptomatik schon von Anfang an sichtbar war, nein, sie wurde erst nach der ersten Verschreibung deutlicher. Wir dürfen uns einfach nicht irritieren lassen. Ich glaube auch nicht das Hahnemann immer nur OneRemedy Cases gehabt hat und auch Vithoulkas, Phatak, Geghas und wie sie auch alle heißen mögen werden öfter "versagt" haben. Zur Heilung gehören immer zwei, also auch der Patient. Und das kann ein Faktor sein, der die Heilung, oder besser gesagt den Prozeß der Heilung bremsen kann. Also cool down, auch wenn die Außentemperaturen das nicht zulassen.

SCHNIPP---
Vom sog. "Simillimum" wird schließlich erwartet, daß es nach seiner Verabreichung mühelos und unbemerkt den pathologischen Zustand des chronisch Erkrankten verschwinden läßt, was sowohl einer trügerischen Illusion als auch eine intensive Unterdrückung ist.
SCHNAPP---

Was ist das für eine Aussage? Vieleicht ist es die Erfahrung der Autoren, das die vermeintliche Heilung nur eine riesige Unterdrückung war? Das aber so allgemein in den Raum zu stellen finde ich schon gewagt bis absurd.

SCHNIPP---
Eine zu schnelle Bewältigung der Aufgabe, d.h. Spontanheilung durch ein "Simillimum", ist - ohne eine entsprechende Bewußtwerdung - immer eine extreme Verdrängung oder Unterdrückung....
SCHNAPP---

Hier wird die erste Aussage nochmal bekräftigt und durch den Begriff der "Bewußtwerdung" noch abstrakter dargestellt.

Vieleicht meinen Sie aber auch, daß nur derjenige, der weiß was er verschreibt und "warum" er zum Zeitpunkt verschreibt nicht unterdrückt.

Wer weiß?

LG
Frank


In Antwort auf:
Hallo, ihr,
in dem Zusammenhang interessant die Ansichten von Rafael Chiron, Demeter und Sawala im http://27678.rapidforum.com/. Danach: macht eine Hochpotenz 7 Jahre lang Prüfsymptome, überhaupt sind Hochpotenzen des Teufels, hat Hahnemann schon gesagt, denn durch diese werden Beschwerden ins Übergeistige verschoben, sollen nur akute Krankheiten behandelt werden, dadurch verschwänden mit der Zeit die chronischen von selbst usw.
Grüße, ilse

In Antwort auf:
Hallo Ilse und Frank,

danke für euer Feedback!

Möglicherweise war mein Post etwas voreilig und unüberlegt hier reingestellt. Mir schwirrt zu diesem Thema so viel im Kopf rum. Ich hatte dazu noch andere Passagen aus diesem Buch vermerkt. Heute nun brachte die Post das ersehnte Die Reise einer Krankheit von Jus.
Dort geht Jus ja auch darauf ein...

Nun, da ich weder das Buch der Friedrichs fertig gelesen habe, noch den Jus angefangen habe ist es wohl besser alles erst mal durchzugehen...

Dazu kommt noch die Hitze. Ich weiß nicht wie es euch geht, ich habe das Gefühl mein Gehirn trocknet aus und bröselt so langsam vor sich hin. Eure Beiträge machen ja noch einen sehr fitten Eindruck.

Jedenfalls bin ich momentan fast außer Betrieb. Wollen wir das Thema später wieder aufgreifen, oder wollt ihr weiter diskutieren? Mir ist alles recht.

LG
Ulla

In Antwort auf:
Hallo Ulla,

viel Spaß beim Lesen. Die Reise einer Krankheit ist gut, bringt dich aber meines Wissens nach in dieser Fragestellung nicht wirklich weiter.

LG
Frank (dessen Gehirn bereits ausgetrocknet ist)

In Antwort auf:
Hallo Ulla

Ich sehe es so:
Ein zu dem Zeitpunkt passendes Mittel sollte einen Prozeß in Gang bringen, der den Patienten von seinen Beschwerden befreit. Und zwar in absehbarer Zeit!
Wenn ich selbst Patient wäre und ein Homöopath braucht 5 Jahre, um z.B. Migräne oder Heuschnupfen zu behandeln und es ist kaum eine Besserung eingetreten, dann läuft da etwas falsch.

Es gibt meiner Meinung nach bei einigen Erkrankungen, vielmehr bei einigen Leuten, Ursachen der Krankheit, die ihren Grund haben.
Wenn ein pasendes Mittel die Ursache "auflösen" kann - gut.
Bei einigen ist es vielleicht aber auch mit "nur" dem best passenden Mittel nicht getan, weil mehr dahintersteckt und eine tiefere Herangehensweise mit begleitender Psychotherapie oder Selbstreflektion erfolgen muss.

Ich finde, die Homöopathie ist heute nicht mehr so "einfach" wie zu Hahnemanns, Clarkes und anderen Zeiten.

Die Welt ist hektischer und es kommen sooo viele äußere Umstände dazu, die es früher nicht gab.

lieben Gruß
Nux

In Antwort auf:
Hallo Nux,
was Du ausgesprochen hast, ist der Grundgedanke der prozeßorientierten Homöopathie. Die prozeßorientierten Homöopathen (Andreas Krüger, Rosina Sonnenschmidt u.a.) lehnen die Behandlung von Patienten ab, die ien rein passive Konsumhaltung haben. Sie fragen bei chro nischen Krankheiten und auch bei Krebs immer, ob der Patient ggf. auch bereit wäre, etwas in seinem Leben zu ändern, wenn das im Laufe der Behandlung herauskommt. Lehnt der Patient das kategorisch ab und verlangt, daß ein paar Kügelchen helfen müßten, während sonst alles beim alten bleibt, verweisen sie an Kollegen.
LG
Thomas






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