#1

Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 26.04.2014 11:19
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Hallo an alle,

ich habe ja vor einiger Zeit den Homöopathen gewechselt, und stellte eine andere Vorgehensweise fest, als ich es bislang gewohnt war. Und zwar gab es eine etwa einstündige Anamnese zu Anfang, aber ich wurde nichts "von früher" abgefragt. Also von wegen Kinderkrankheiten, Vorerkrankungen, Erkrankungen der Verwandten etc. , nichts davon. Ich schilderte meine aktuellen Symptome, bzw. was mir so in den Sinn kam, und daraufhin gab's das Mittel. So ähnlich lief es bei jeder Konsultation bisher. Nachfragen gab's höchstens zum Verständnis des von mir Gesagten.
Nun frage ich mich, ob das das ist, was man "genuine Homöopathie" nennt. Also streng nur nach den aktuellen Symptomen, könnte man das so sagen? Ohne Berücksichtigung von Vorgeschichte, sonstigem, ja was eigentlich?
Ich bekam vier Mittel bisher, und alle waren übrigens Volltreffer. Das war allerdings bei der anderen H. auch so gewesen, bis auf eine Ausnahme.

Wenn's das nicht ist, erklärt mir mal jemand, was genuine Homöopathie ist? Ich habe dazu schon was gelesen, http://www.symptomenlexikon.de/styled-7/index.html
aber so richtig verstehe ich den Unterschied nicht.


Nihil fit sine causa - Nichts geschieht ohne Grund

zuletzt bearbeitet 26.04.2014 11:20 | nach oben springen

#2

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 27.04.2014 09:29
von Johanna | 162 Beiträge | 1410 Punkte

Hallo Wolfi,
Die genuine Homöopathie bezieht sich ganz sehr auf Hahnemann und seine unmittelbaren Nachfolger, wie Bönninghausen und Jahr zB.-also auf die frühen Homöopathen.
Moderne Strömungen sind u.a. Vithoulkas, Scholten, prozessorientierte Homöopathie oder Shankaran. Darüber findet man viel im Internet. Alles gehört aber zu klassischer Homöopathie, solange nach einer Anamnese (akut oder chronisch) Einzelmittel verschrieben werden.

Bei einer chronischen Anamnese wird allerdings trotzdem alles aufgenommen. Ich glaube anders kann man nicht heilen. Warum Dein Homöopath das nicht gemacht hat weiß ich nicht. Vielleicht bist Du mit einem akuten Problem gekommen ?
So kenne ich das :bei chronischen Behandlungen alles aufnehmen, von Kopf bis Fuß, innen (Organe...) und außen( Haut,Knochen Gelenke), Familienanamnese und vergangene Krankengeschichte.

Die Entscheidung, welches Mittel jetzt dran ist, zeigt die aktuelle Situation, also die Symptome die sich gerade zeigen.Aber ich glaube das ist nicht nur bei den Genuiden so.

Die moderne Homöopathie behandelt den ganzen Menschen, die genuine Homöopathie orientiert sich an dem was krank ist. Das ist ein anderes Verständnis. Es wird also nicht der Charakter behandelt, sondern die Krankheit. Daß jemand geizig, ordentlich, streitlustig, zurückgezogen...ist, hat keinen Krankheitswert.
Nur dann wenn einer unter der Krankheit seine Stimmung verändert (!) ist es entscheidend für die Mittelwahl für die frühen Homöopathen gewesen.

Bei moderner Homöopathie spielt das Gemüt immer eine große Rolle. Es gibt dort auch Vertreter die ausschließlich Gemüts- und Allgemeinsymptome für die Verschreibung nehmen. Manchmal klappt das so.

Bei den Genuinen sollten die wesentlichen Symptome der Krankheit den Charakteristika der Arznei entsprechen. Dafür wurde von Uwe Plate das Symptomenlexikon entwickelt., aber es gibt noch andere Werke die die Charakteristika der Arznei gut darstellen. (Wer sich dort belesen will, sollte sich an Bücher vor 1900 halten.)

Nur auf aktuelle Symptome zu verschreiben- ohne den Hintergrund der Krankheit zu verstehen- birgt die Gefahr daß sich Symptome verschieben, verändern...und es findet möglicherweise keine wirkliche Heilung statt. Das Symptom ist weg, der Patient freut sich...und kommt schon nach kurzer Zeit mit dem Nächsten.
Ich glaube schon daß die frühen Homöopathen wirklich geheilt haben, nicht nur akute Erkrankungen, auch chronische Leiden. Dafür finde ich die chronische Fallaufnahme ( geht nicht in 20 Minuten!) sehr wichtig.


LG
Johanna

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#3

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 27.04.2014 11:45
von ilse • Administratorin | 2.692 Beiträge | 11337 Punkte

Wolfi, frag sie doch einfach mal, ob sie das Symptomenlexikon benutzt. Seit es das auch als Programm für den PC gibt, hat es viele Anhänger gefunden. Mit den Büchern war es ziemlich zeitaufwendig. Ich Dussel habe mir damals, als Plate es herausgebracht hat, die Bücher gekauft - 5 Riesenwälzer. In dem dazugehörigen Forum war ich auch eine Zeit, aber die Atmosphäre dort behagte mir nicht, alles sehr strenggläubig.

Zur Behandlung chronischer Fälle schreibt Plate in seinem Begleitbuch: "In chronischen Fällen, mit vielen Symptomen, ist es kaum möglich, ein einziges Arzneimittel zu finden, welches auf sämtliche Symptome charakteristisch passt. So wird erst einmal mit den beschwerlichsten Symptomen begonnen und dafür das passende Mittel gegeben. Sind diese Beschwerden dann verschwunden, werden weitere Mittel für die anderen Symptome verabreicht, also eine Kurbehandlung einer chronischen Krankheit durchgeführt."

Hier Plates Beispielfall für die Mittelfindung mit dem SL nach Hahnemann:
http://www.symptomenlexikon.de/resources...Einfuehrung.pdf
LG ilse


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#4

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 27.04.2014 12:11
von Johanna | 162 Beiträge | 1410 Punkte

Liebe Ilse,
Ist denn die Arbeit mit dem Symptomenlexikon wirklich erfolgversprechender, wie oft gesagt wird ?
LG
Johanna

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#5

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 27.04.2014 21:12
von ilse • Administratorin | 2.692 Beiträge | 11337 Punkte

Liebe Johanna, also ich hab's nicht probiert, aber in der Homöopathie Konkret waren schon Heilungsberichte. Die Methode ist ja noch relativ neu, aber es gibt begeisterte Verfechter, z. B. Dr. Anton Rohrer arbeitet damit sehr erfolgreich, kannst du googeln. Ich meine, es hängt auch vom Fall ab - man hat ja nicht immer die geforderten vollständigen Symptome und durch die medizinische Behandlung sind die Fälle heute viel komplizierter als früher. Viele arbeiten zurzeit wohl noch zweigleisig. Bei Tieren dürfte es sowieso schwierig sein, die können ihre Schmerzempfindungen ja nicht beschreiben.
Wer weiß, vielleicht tüdele ich irgendwann auch mal wieder damit herum.
LG ilse


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#6

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 28.04.2014 18:38
von Johanna | 162 Beiträge | 1410 Punkte

Befasst habe ich mich damit schon, habe auch hier ein Buch von U.Plate, über die Arbeit mit dem Symptomenlexikon.
Klingt alles sehr logisch und richtig, allerdings werde ich nicht so recht warm damit. Es wirkt so perfekt, so rechnerisch...Und ich bin wahrscheinlich nicht so der Mensch dafür. Aber wem das liegt, diese Herangehensweise...
So große umfangreiche Werke schrecken mich auch eher ab, statt zu überzeugen.
Aber ich kann es nicht wirklich beurteilen.

Johanna

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#7

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 29.04.2014 09:24
von Wolfi | 754 Beiträge | 1230 Punkte

Zitat von Johanna im Beitrag #2


Die moderne Homöopathie behandelt den ganzen Menschen, die genuine Homöopathie orientiert sich an dem was krank ist. Das ist ein anderes Verständnis. Es wird also nicht der Charakter behandelt, sondern die Krankheit. Daß jemand geizig, ordentlich, streitlustig, zurückgezogen...ist, hat keinen Krankheitswert.
Nur dann wenn einer unter der Krankheit seine Stimmung verändert (!) ist es entscheidend für die Mittelwahl für die frühen Homöopathen gewesen.

Bei moderner Homöopathie spielt das Gemüt immer eine große Rolle. Es gibt dort auch Vertreter die ausschließlich Gemüts- und Allgemeinsymptome für die Verschreibung nehmen. Manchmal klappt das so.

Bei den Genuinen sollten die wesentlichen Symptome der Krankheit den Charakteristika der Arznei entsprechen.


Danke für die Ausführungen. Ich versuche nach wie vor, den Unterschied konkret zu fassen, so irgendwie meine ich, habe ich es verstanden. Andererseits, auch die "normale heutige" klassische Homöopathie behandelt ja nur das Krankhafte. Der "gesunde" Charakter wird ja nicht geändert, könnte ja gar nicht, außer, man setzt Prüfsymptome auf. oder?



Zitat
Nur auf aktuelle Symptome zu verschreiben- ohne den Hintergrund der Krankheit zu verstehen- birgt die Gefahr daß sich Symptome verschieben, verändern...und es findet möglicherweise keine wirkliche Heilung statt. Das Symptom ist weg, der Patient freut sich...und kommt schon nach kurzer Zeit mit dem Nächsten.
Ich glaube schon daß die frühen Homöopathen wirklich geheilt haben, nicht nur akute Erkrankungen, auch chronische Leiden. Dafür finde ich die chronische Fallaufnahme ( geht nicht in 20 Minuten!) sehr wichtig.



Also um mal anhand meines Falles zu sprechen, ich habe auf jeden Fall den Eindruck, daß ich als "ganzer Mensch" behandelt werde. Ich werde mal fragen, wie Ilse anregte, wie sie vorgeht, also wegen dieses Symptomenlexikons etc. Interessantes Thema.
Es kamen bei der Anamnese und den Folgeterminen auch durchaus andere Dinge zur Sprache als die akuten Symptome. Aber mich wunderte einfach, daß nicht so konkret z.B. Kinderkrankheiten, Impfungen, alle Vorerkrankungen etc. direkt abgefragt wurden. Einiges hatte ich ja unaufgefordert erwähnt gehabt, das schon. Na, ich werde mal fragen.


Nihil fit sine causa - Nichts geschieht ohne Grund

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#8

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 02.05.2014 13:56
von Johanna | 162 Beiträge | 1410 Punkte

Interessane Beiträge zu diesem Thema findet man u.a.

- in der Homöopathiezeitschrift HZ 1/2000
- auf der Webseite von Roland Methner unter "Artikel"- "Zur Kritik der modernen Homöopathie"

Johanna

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#9

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 03.05.2014 21:36
von ilse • Administratorin | 2.692 Beiträge | 11337 Punkte

Danke für den Link, Johanna. Was haben wir uns in diesem Forum vor Jahren genau über dieses Thema gestritten - dass z. B. der Charakter kein Krankheitssymptom ist usw. Da flogen echt die Fetzen.
LG ilse


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#10

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 05.05.2014 16:12
von Johanna | 162 Beiträge | 1410 Punkte

Liebe Ilse,
Bin zwar auch eher in Richtung "alte Meister" orientiert, aber mitunter nehme ich schon auch das Gemüt an die erste Stelle. Kommt drauf an was für ein Fall.
Es gibt Menschen deren seelischen Zustand man nach mehreren Anamnesegesprächen nicht erfassen kann, vielleicht ist da auch nichts krankhaftes, nur körperliche Beschwerden. Da muß man darauf seine Verschreibung gründen.
Andere sprudeln nur so heraus mit Empfindungen und Gefühlen, dann ist es eben das. Aber im Vorfeld in eine Richtung denken, zB Sankaran, oder Genuin, prozessorientiert...ich glaube dann versucht man den Menschen durch eine gefärbte Brille zu sehen.
Deshalb will ich mich gar nicht so festlegen, erst nach der Anamnese überlege ich mir ob es einen "Angelpunkt" gibt.
Und wenn es mit meiner (Boger ) Methode nicht klappt, muß es eine andere Lösung geben.
Ich glaube man muß sich darum nicht wirklich streiten. Einfach schauen, was für Leute kommen...dann verschreiben und beobachten...man sieht ja schnell ob es geklappt hat nach dieser oder jener "Methode", und dann selbstkritsch fragen warum es vielleicht nichts gebrcht hat, die Verschreibung.
Im Moment denke ich aber daß die Homöopathie nach Kent ziemlich einseitig an Homöopathieschulen gelehrt wird. Also Gemüts- und Allgemeinsymptome an erster Stelle.
Und wenn es damit nicht klappt, sind die oft Schüler hilflos...
Jeder Fall ist anders, und das ist sehr spannend und immer wieder eine schöne Herausforderung.

LG
Johanna

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#11

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 14.06.2015 10:57
von homöoslave | 782 Beiträge | 4855 Punkte

Hallo

Ich finde das ein interessantes Thema mit dem ich mich in nächster Zeit ein wenig beschäftigen will - und euch daran via Forum teilnehmen lassen will.
Ich werde mir anhand des Organons, Kents Zur Theorie der Homöopathie, Bogers Philosophie des Heilens, Jahrs Leitfaden zur Ausübung der Homöopathie usw. versuchen eine Meinung zu bilden.
Ich habe nach meiner eigentlichen Ausbildung mit dieser sogenannten genuinen Homöopathie auseinandergesetzt und Fortbildungen besucht.
Vor allem Jahr hat mir sehr gefallen und auch Boger der sich ja auch in der Nachfolge von Bönninghausen sieht fand ich
faszinierend.
Interessant finde ich aktuell die Methodik von Heiner Frei (Polaritätsanalyse) die ja die Modalitäten in den Vordergrund stellt und
sich hier auf Bönninghausen beruft.(Aber hat Bönninghausen seinen Patienten X Fragebogen geschickt???)

Auch um für mich selber mehr Klarheit zu bekommen und vor allem auch eine bessere Struktur in mein Arbeiten zu bekommen möchte ich mit dies allem auseinadersetzen

Eines ist aber mir jetzt schon klar - so einfach ist es nicht:

Kent , so wird oft behauptet, hätte eine größere Gewichtung der Gemütssymptome als die alten Meister
- das stimmt so nicht, da er diese (nur) als Zünglein an der Waage sah - und das taten die Alten auch

- ich denke da an eine der wenigen mehr oder weniger ausführlichen Fallbeispielen von Hahnemann selber : "Die Lohnwäscherin" wo im Endeffekt das Gemütsymptom zur entgültigen Arzneiwahl führte

..und eigentlich ist der Begriff "genuin" ja wieder mehr oder weniger eine "Modeerscheinung" - quasi noch klassischer als die
Klassiker erscheinen zu wollen.(das liegt aber daran dass der Begriff klassische Homöopathie auch immer mehr verwässert
wurde.)
und nebenbei bemerkt: Stefan Reis - großer deutscher Homöopath - eine der führenden Stimmen der genuinen Homöopathie hat an der Überarbeitung der 14. Auflage von Kents Repertorium mitgearbeitet und hat da wohl auch überhaupt keine Berührungsängste. (Empfehlenswert zum Thema : sein "Neues Archiv für Homöopathik" - war eine tolle Zeitschrift - leider viel zu schnell wieder eingestellt)

Kurz noch zum Symptomen-Lexikon. Hahnemann selber hat sich ja die Herausgabe eines solchen Werkes gewünscht - war aber damals wohl nicht zu schaffen -heute dank Computertechnik möglich.
Das stand also den alten Homöopathen gar nicht zur Verfügung - die hatten das wohl eher im Kopf!!!!
Schlicht und einfach war mir das Symptomen - Lexikon einfach zu teuer - und ich kann nicht beurteilen ob als Werkzeug so tauglich wie geschildert.
ich will erstmal lernen richtig mit den Werkzeugen umzugehen die mir zur Verfügung stehen!!!

So und nun werde ich mich mal wieder an Kents Theorie machen - wenn nur nicht das Wetter so schön wäre...!!!


Bernd


Sickness is like a Sitar, whose correct tuning has been disturbed.Naturally, all the notes from the Sitar will be far from melodious. There is no use trying to correct the individual notes. It is the disturbance in tuning itself which has to be corrected (Rajan Sankaran)
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#12

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 14.06.2015 16:01
von homöoslave | 782 Beiträge | 4855 Punkte

Hallo ich nochmal

ich bleib beim Thema - habe einen schönen Aufsatz von Christian Meinhard zum Thema gefunden
aus oben erwähnten NAH von 2006 - den ich hier verkürzt aber sinngemäß weitergeben
möchte :

"Wohl Homöopathie, nur nicht die ihres Erfinders, sondern die des Fortschrittes.
Was Hahnemann gelehrt hat, wär für den Anfang, ist jetzt schon lange veraltet,
jetzt sind wir weiter und wissen die Sache besser" - sieht man sich aber um nach diesem
Neuen und vermutlich besseren, so bietet uns jeder Kritiker etwas anderes (GHG Jahr 1856)

Der Begriff "Klassische Homöopathie" entstand in den 1950er Jahren um sich
von der damals vorherrschenden "Klinischen Homöopathie" abzusetzen.
Heute sind wir wieder in einer ähnlichen Situation unter dem Begriff "klassisch"
kursieren mehrer Ansätze die vom Geist unserer Zeit , - dem Primat der Psychologie
geprägt sind.
Der zarte Anfang liegt hier in den Vorlesungen zur Materia medica von Kent, in
denen er neben den Aufzählungen von Symptomen auch versucht ein Persönlichkeits
bild zu verdichten.
Diese Idee wurde von Vithoulkas mit seinen Essenzen aufgegriffen und ausgebaut -
weitere Varianten entstanden durch seine Schüler.
Die internationale Verbreitung der psychologisierende Homöpathie und die Erfolge
ihrer charismatischen Lehrer könnten die Frage nach Hahnemanns Lehre zur Neben-
sache machen.

Sofern man zumindest dem orginären methodischen Motto "Macht es nach, aber macht
es genau und sorgfältig nach" folgen will, wird es für jeden Lernwilligen des "Neueren und
vermeidlich Besseren" problematisch.

Daher entstand durch vorurteilsfreier Betrachtung der Methodenpluralität der heutigen klassischen
Homöopathie und Nachdenken über Fakten der Frühzeit eine Rückbesinnung auf Hahnemanns
Lehre - unterstützt auch auf die Neuauflage alter Meister (und des Symptomenlexikons?)

Laut Hahnemanns Organon sind zur Krankheitserkenntniss keine Ergrübelungen notwendig, ebenso
kann und möge die Arzneimittellehre frei bleiben von Vermutungen, Behauptungen und
Erdichtetem.

Genuin heißt echt, angeboren und unverfälscht. Genuine Homöopathie versteht sich somit nicht
als weitere Interpretation sondern als Rückversicherung im Sinne des ursprünglich Gemeinten.

Seit Hahnemann gilt eigentlich nicht mehr "Wer heilt hat recht" , sondern "Wer nach deutlich einzusehenden
Gründen - wer sicher, nachvollziehbar und lehrbar heilt hat recht"
Auch anderen Verfahrensweisen der Homöopathie sei nicht in Abrede gestellt daß sie heilen
können.
Genuine Homöopathie ist keine Frage des Glaubens, der Ansicht oder metaphysischer Überlegungen,
sondern gründet auf Studium, Wissen genaues Nachmachen und damit zur Erkenntnisse des allgemein
Gültigen
Auf Grundlage Hahnemanns und seines abgeschlossenen sicheren Lehrgebäutes gilt es für uns Heutige
die Klarheit wiederzugewinnen die einmal alle Homöopathen der ersten Stunde geeint hat


-so dass zur weiteren Diskussion

schönen Sonntag noch

Bernd


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#13

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 14.06.2015 21:12
von ilse • Administratorin | 2.692 Beiträge | 11337 Punkte

Hallo, Bernd,
da hast du dir ja was vorgenommen. Was ich so höre vom Symptomenlexikon, ist zwiespältig - manche verwenden es, wenn sie in einem Fall anders nicht weiterkommen, oder zusätzlich als "double check". Manche sind strenggläubig und arbeiten nur danach.

Ich denke, man soll nicht dogmatisch vorgehen, auch Hahnemann hat geirrt , Verschiedenes ausprobiert und wieder verworfen. Und die SLer sind untereinander auch nicht in allem einer Meinung.

Ich find's toll, dass du mit so viel Begeisterung da ran gehst. Wenn deine Studien weiter fortgeschritten sind, kannst du uns ja mal einen Musterfall zum Vergleichen einstellen - das wär doch interessant.
Liebe Grüße, ilse


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#14

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 15.06.2015 12:59
von homöoslave | 782 Beiträge | 4855 Punkte

Hallo Ilse

ich bin der Meinung dass die genuine Homöopathie - und über den Begriff kann man trefflich streiten nicht unbedingt zwingend mit dem Symptomenlexikon zusammenhängen muss.
Ich glaube da ist auch viel Verkaufsstrategie für das entsprechende Computerprogramm dahinter. (Ich dachte das SL gabs früher auch mal als Buch? wird wohl nicht mehr aufgelegt)

Für mich sind für eine ursprüngliche Homöopathie v.a. das TTB von Bönninghausen und die Werke von Jahr:Handbuch Hauptanzeigen und klinische Anweisungen die typischen Werkzeuge.
man kann aber durchaus der Meinung sein dass diese nicht mehr unbedingt zeitgemäß sind???
- jedoch Hahnemann selber hat diese Werke ausdrücklich gelobt.

Aber wie schon geschrieben - ich bin da dran und habe keineswegs mit meiner eigenen Meinungsbildung abgeschlossen
-und möchte vor allem undogmatisch an die Sache gehen.

Wir leben halt nicht mehr Mitte des 19 Jahrhunderts. Die Krankheitsfälle in unseren Praxen haben einen ganz anderen Charakter.
Wir behandeln keine Tuberkulose und Typhus mehr (dürfen wir als HP auch nicht)
d.h. nicht dass auch schwere Krankheitsfälle zu uns kommen ???
Es stehen aber doch heute mehr Krankheiten im Vordergrund die mehr oder weniger psychische Ursachen haben,
v.a durch die immense Arbeitsverdichtung mit in erster Linie seelischer Belastung.
Ich denke dem muß man heute eher Rechnung tragen - und deshalb treten vielleicht doch die Gemütssymptome mehr in den Vordergrund als bei den alten Meistern

Ich bleibe dran


Bernd


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#15

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 15.06.2015 14:40
von Lavendel | 7 Beiträge | 50 Punkte

Hallo Bernd,

ich sehe das mit den verschiedenen Richtungen der Homöopathie eigentlich so, wie auch die Homöopathie selbst angewandt wird:

Die Methode sollte zum Homöopathen passen! Unterschiedliche Menschen können mit unterschiedlichen Ansätzen vermutlich verschieden gut umgehen. Meiner Meinung nach soll jeder die Methode wählen (unter den seriösen Methoden) mit der er am besten zurecht kommt und wenn er mehrere Methoden beherrschen sollte, dann auch evtl. Methoden kombinieren, je nach dem, was sich im einzelnen Fall für ihn als sinnvoll abzeichnet.

So weit meine "Laienmeinung"
Viele Grüße
Lavendel


zuletzt bearbeitet 15.06.2015 14:45 | nach oben springen

#16

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 15.06.2015 21:58
von ilse • Administratorin | 2.692 Beiträge | 11337 Punkte

Hallo, Bernd,

Zitat
ich bin der Meinung dass die genuine Homöopathie - und über den Begriff kann man trefflich streiten nicht unbedingt zwingend mit dem Symptomenlexikon zusammenhängen muss.



Nach Stefan Reis aber schon ... ;)
Ich glaube aber nicht, dass Hahnemann seinen Satz "Macht's nach, aber macht's genau nach" so gemeint hat, dass es keine Weiterentwicklung geben darf. Er selbst hat ja immer wieder experimentiert, mit Potenzen, Gabengrößen, neuen Prüfungen usw.
Und wenn er noch leben würde, würde er an den heutigen Menschen garantiert auch noch Prüfungen durchführen und neue, andere Symptome finden, weil sich unsere Lebensbedingungen und Krankheitserscheinungen geändert haben.

Zitat
Ich glaube da ist auch viel Verkaufsstrategie für das entsprechende Computerprogramm dahinter. (Ich dachte das SL gabs früher auch mal als Buch? wird wohl nicht mehr aufgelegt)



Naja, rechnen muss sich die Sache schon. Aber nichtsdestotrotz: Hut ab vor Uwe Plates gewaltiger Leistung. Ich hab mich damals, als das SL neu rauskam und der Verkauf nicht lief, von einem Freund dazu überreden lassen. Nun stehen die Wälzer im Regal und gucken mich vorwurfsvoll an. Hätte ich mal lieber auf das PC-Programm gewartet, damit kann man arbeiten, ohne gleich eine Sehnenscheidenentzündung zu kriegen ;). Mein persönliches Fazit: für manche Fälle ist das SL tatsächlich genial, aber nicht für alle - aber vielleicht habe ich mich einfach nicht genug reingekniet.
LG ilse


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#17

RE: Genuine Homöopathie

in Allgemeines zur Homöopathie 16.06.2015 11:45
von homöoslave | 782 Beiträge | 4855 Punkte

Hallo

- ohne Zweifel hat Uwe Plate da ein Herkules Werk auf sich genommen.

Hahnemann hat`s ja wohl selber probiert und es nicht gestemmt.
Jahr sollte es dann wohl machen und hat es auch nicht geschafft - obwohl der ein äußerst fleißiger Schreiber war.

Natürlich hätte ich dieses Werk auch gerne - muss aber wohl vorerst ohne auskommen - mein zeitliches und finanzielles Budget ist da leider sehr eingeschränkt.
Gerade im Moment kostet mich mein Brotjob ein Haufen Körner - - anderes Thema bitte??

Bernd


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