#1

Polychreste

in Allgemeines zur Homöopathie 27.11.2008 13:17
von Medusa (gelöscht)
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kaya
Moderator Geschrieben am 18.02.2007 13:17


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Hallo an alle,

ich hätte mal einige Fragen und Gedanken zum Verständnis der Polychreste und ihrem Einsatz als Konstitutionsmittel.

- P. nennt man doch die großen, meist auch bekannteren Mittel. Sie haben ein großes Wirkungsspektrum (ähnlich z.B. dem allopatischen Breitbandantibiotikum?- richtig?)
- Es sind oft doch die Mittel in dem sich ein Laie in vielen wiederzufinden glaubt, wenn er die AMB studiert.
- Aber auch viele bekommen ein solches Mittel als K.mittel von ihrem Homöopathen.

Bei der Vielzahl der Mittelbilder kommt mir da so der Gedanke, ohne irgendeinem HP zu nahe treten zu wollen, dass ein Klassischer Homöopath schon eine sehr große Kenntnis aller AMB besitzen muss um genau zu differenzieren bzw. zu repertorisieren. Und ist es evtl. für manchen HP am Anfang einfacher, eben bei den bekannteren Mitteln zu bleiben, auch wenn es bei den kleineren Mitteln ein passenderes geben könnte?

Oder ist es so, dass die kleinen Mittel eher nur bestimmte Erscheinungen abdecken können, aber der Mensch als Gesamtheit kann nur von den großen vielschichtig wirkenden Mitteln, in seiner Konstitution,erfasst werden.

Hm, ich weiß nicht ob ich das jetzt verständlich genug formuliert habe, oder wieder mehr in das schulmedizinische Denken verfallen bin? Evtl. könnt ihr ja nochmal zurück fragen.

Ich danke trotzdem schonmal fürs Lesen und evtl. Antworten

Grüße, Christa

In Antwort auf:
Hallo Christa,

Polychreste haben ein breites Wirkungsspektrum und werden häufig eigesetzt, weil die Vielzahl der Symptome auf den Patienten passen. In Polychretsen findet sich irgendwie jeder wieder. Es ist fast so wie in den Horoskopen aus der Tageszeitung.

Es wird in der Regel unter dem Einsatz von Polychresten auch zu ersten brauchbaren Ergebnissen kommen.

Übrigens, nicht nur Polychreste sind Konstitutionsmittel!

Ein Konstitutionsmittel ist jenes, welches am ehesten der Konstitution des Patienten enspricht. Es kann also durchaus sein, das das Similie ein kleines Mittel ist, welches aber dann alle anderen Nebensymptome im Laufe der Zeit beseitigt. Eben dadurch das die spezielle "kleinere" Blockade verschwunden ist und der Organismus sich nun wieder frei regulieren kann. Nehme als Beispiel mal einen Gallenstein. Wie winzig der ist, und was für Komplikationen dadurch entstehen können (posthepatischer Ikterus, etc.)

Ich denke also, das ein jeder Mensch durch sein spezielles Mittel oder durch seine speziellen Mittel erfasst werden kann. Auch das gibt es also. Mehrere Mittel finden sich in einem Menschen wieder. Abwechselnd treten die Symptome auf und bitte auch abwechselnd werden die Arzneimittel gegeben. Also nicht alle passenden Mittel auf einmal geben.

Ich hoffe, dass mein soeben spontan Geschriebenes auch verständlich war.

LG
Frank

In Antwort auf:
Hallo Frank,

nein, nein alle Mittel auf einmal...., das habe ich ja hinter mir.
Aha, ich verstehe. Es kann jemand, nach einiger Zeit einer Mitteleinnahme, entsprechend hervortetender Sympthome =(weitere Schicht), ein neues Mittel brauchen, das dann an der Gesundung weiterarbeitet.

Soweit verstanden.
Danke und Gruß
Christa

In Antwort auf:
Hallo, Christa,
daß öfter Polychreste verordnet werden, liegt daran, daß die kleinen Mittel schwer zu finden sind, weil sie noch nicht oft genug geprüft wurden und entsprechend wenige Symptome bekannt sind.

Außerdem werden die "Kleinen" dann oft noch auf einen bestimmten Wirkungsbereich eingeengt, weil in der Prüfung zufällig nur in diesem Bereich Symptome auftraten. Es ist aber anzunehmen, daß auch sie auf alle Bereiche eine Wirkung haben, denn auch bei den Polychresten kamen in jeder der zahlreichen Prüfungen noch neue Symptome dazu.
LG ilse

In Antwort auf:
Hallo Ilse,
ja, das klingt logisch und ist einzusehen.
Vielen Dank, das macht mir die Beschäftigung damit sehr viel klarer.

Gruß
Christa

In Antwort auf:
Es kommt hinzu, daß sicher auch viel mehr Menschen "Polychreste" brauchen als "kleine Mittel". Das kann man sich sicher ähnlich wie die Normalverteilung anhand der Gauß'schen Glocke vorstellen.
Das hängt sicher auch mit unseren Lebensgewohnheiten, Zwängen und üblichen Kränkungen und Entfremdungen von einer natürlichen Lebensweise zusammen. Bailey schreibt z. B., daß in den entwickelten Industriestaaten außergewöhnlich viel Menschen Natrium muriaticum brauchen - sehr viel mehr als in sogenannten Entwicklungs- oder Schwellenländern.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Vielen Dank Thomas, für den Link zu der sehr interessanten Seite von Dr. Massimo Mangialavori (in der Sparte "Off topic, in einem anderen Zusammenhang.)
Dort findet sich unter - cases and articles - ein Interview zum Thema "Kleine Mittel". (http://www.mangialavori.com/Inglese/homeint.htm)
Ich habe mal reingelesen und finde in hochinteressant. Passt gerade gut zu meiner letzten Frage.


Herzliche Grüße
Christa

In Antwort auf:
Zitat:

Old bear schrieb am 18.02.2007 23:52 Uhr:
Bailey schreibt z. B., daß in den entwickelten Industriestaaten außergewöhnlich viel Menschen Natrium muriaticum brauchen





Und gerade in DEM Mittel finde ich mich ÜBERHAUPT nicht wieder.

Ich finde es erstaunlich und bemerkenswert, mit wie wenigen Mitteln die frühen Homöopathen solche Erfolge hatten.

lg
Nux

In Antwort auf:
Hallo Nux,

das habe ich mich auch schon oft gefragt. Ich glaube das liegt auch daran, dass damals Antibiotika und Co. noch nicht soo viel im Einsatz war wie heute, wo sie gleich bei jeden kleinen Wehwehchen eingesetzt werden. Ausserdem sind heute die Symptome oft verwaschen, da alle möglichen Unterdrückungen stattfinden. Auch hatten die Menschen früher häufig noch ordentliches Fieber bei den Infekten, heute höre ich immer wieder "ich war noch nie krank" und sie sind auch noch stolz darauf, bei mir jedoch gehen da alle Alarmglocken an.

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo, Nux,
nichts gegen Nat-m! Mir hat es schon geholfen, meiner Mutter, der Katz und meinem Mann - in der Reihenfolge ;-)
LG ilse

In Antwort auf:
Hallo Nux und Ilse,
was ist denn mit Euch los? Die Diskussion scheint mir in sonderbares Fahrwasser zu laufen.
Als Homöopathen sind wir doch nicht "für" oder "gegen" bestimmte homöopathische Arzneimittel, sondern wir bemühen uns, sie zu verschreiben (bzw. zu nehmen), wenn sie angezeigt sind. Was hat die Tatsache, daß Nux offenbar bisher niemals Natrium muriaticum gebraucht hat, damit zu tun, daß das Mittel in Ilses Familie gute Dienste geleistet hat? Und was Bailey schreibt, ist ja nur seine Erfahrung als Durchshnittswert. Man muß es ja wohl keinem von Euch erklären, daß es keine Rückschlüsse auf den Einzelfall Nux oder XY zuläßt, wenn er die Erfahrung gemacht hat, daß sehr viele seiner Patienten dieses Mittel gebraucht haben.
Marion hat aber, so glaube ich, einen sehr wesentlichen und wichtigen Aspekt angesprochen. Auch heute noch sind Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern oft homöopathisch viel leichter zu heilen als in den entwickelten Industriestaaten. Das sind Heilungshindernisse verschiedenster Art, die sich gegenseitig verstärken mögen: Von Umweltverschmutzung und ungesunder Lebensweise über chemischen Noxen (von Unterdrückungen durch schulmedizinische Arzneimittel, Impfungen und Desinfektionsmittel bis zur Lebensmittelchemie) bis zu den erwähnten zahlreichen psychischen Kränkungs- und Streßfaktoren und negativem Denken (dem - einem Wort von Rosina Sonnenschmidt zufolge - schlimmsten "Miasma" unserer Zeit). Und das macht - neben dem Versuch, die Heilungshindernisse zu beheben - auch die Erforschung neuer Arzneimittel erforderlich.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Zitat:

Old bear schrieb am 26.02.2007 22:33 Uhr:
Hallo Nux und Ilse,
was ist denn mit Euch los? Die Diskussion scheint mir in sonderbares Fahrwasser zu laufen.





Das ist small talk an der Tafelrunde.

LG
Ulla

In Antwort auf:
Hallo Ulla,

Zitat:

Ulla schrieb am 27.02.2007 12:27 Uhr:
Das ist small talk an der Tafelrunde.




Danke für die Aufklärung. Das war mir gar nicht aufgefallen, obwohl es ja eigentlich auf der Hand liegt.
Als Sulphuriker bin ich ja immer auf den "big talk" fixiert.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Huhu Thomas,

lass die Ilse mal zwischendrin etwas kabbeln.
Ich kenne sie lange genug, um das einschätzen zu können.

Ansonsten sehe ich das wie Marion:
Die Belastungen (nicht nur die der Umwelt) sind heute ganz andere, als früher.

Und ich bin mir schon sicher, dass sich das auf die Mittelwahl auswirkt UND auch auf die heutigen Arzneimittel (sofern die Ursubstanzen oder aufbereiteten Mittel nicht schon über 100 Jahre alt sind).

Wer sagt uns denn, dass Aconitum HEUTE nicht noch andere Symptome hervorruft in Prüfungen, weil es an der Luft und dem Boden liegt, der heute anders ist als früher?

grübelnde Grüße
Nux

In Antwort auf:
Hallo, Ihr Lieben,
alßo: von wegen kabbeln - ich habe nur statistische Angaben zu Nat-m geliefert, gell!


Zur Diskussion: die Problematik erschließt sich mir nicht so richtig.

Punkt 1: der (überzivilisierte) Weichling von heute braucht manchmal andere Mittel als der kernige Urtyp. Ok, da ist was dran - aber schließlich sind zu Hahnemanns hundertundsoviel Mitteln inzwischen eine Unmenge neue hinzugekommen. Wenn wir die alle richtig kennen würden, könnten wir damit wahrscheinlich auch den wildesten Stadtneurotiker heilen.

Punkt 2: Wieso glauben wir eigentlich, daß wir in puncto Umwelt- und sonstiger Belastungen im Vergleich mit unseren Altvorderen so besonders gebeutelt sind?
Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren doch früher katastrophal (so wie sie heute in den armen und ganz besonders in den aufstrebenden Ländern sind).

MAK und so was kannte man damals nicht, mein Großvater war Tankwart, er hat das Benzin mit der Kanne aus einem Behälter geschöpft und in Autotanks gegossen. Hier in Norddeutschland wurde überschüssiges Erdöl einfach in die Flüsse abgeleitet. Die Fabrikschlote bliesen Dreck ohne Ende heraus. Die Bauern hatten keine Bedenken, allen möglichen Abraum als "Dünger" auf die Äcker zu kippen.
Ob die Alten darauf achteten, daß Aconit und Belladonna aus ökologischem Landbau stammten?

Punkt 3: Die Symptomenreihen der Arzneien sind ja nicht irgendwann in einer Prüfung festgeschrieben worden. Sie wurden und werden fortlaufend ergänzt und "modernisiert", einmal durch weitere Prüfungen und vor allem durch die Anwendung bei Kranken.
Wenn man die alten Prüfungsprotokolle durchliest, erkennt man oft nur grob die heute als Grundlage für die Verschreibung bekannten Symptome.
Ihr habt doch sicher auch schon erlebt, daß bei der Behandlung Symptome auftreten und durch Heilung bestätigt werden, die noch in keiner MM stehen. Abgesehen von den Koryphäen, die mal schnell ein Buch schreiben, geben sich anscheinend nur wenige von den Normalos damit ab (oder trauen sich nicht?), solche neuen Symptome zu sammeln und dem AMB hinzuzufügen.

Punkt 4: Gute Nacht, ilse

In Antwort auf:
Hallo,
ich fand es spannend eure Diskussionen zu verfolgen, die offensichtlich durch meine Frage ausgelöst wurden.

Bei der Gelegenheit möchte ich euch danken für das Super - Forum, aus dem ich schon viel Lehrreiches mitgenommen habe.

Melde mich jetzt für 3 Wochen ab. Mein Mann und ich, sowie unsere beiden Setter Mädels, lassen uns jetzt die Nordseeluft um die Nase wehen.
Ende März schaue ich dann wieder rein.

Seid herzlich gegrüßt
von Christa


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