#1

Homöopathische Kontraindikationen

in Allgemeines zur Homöopathie 27.11.2008 09:05
von Medusa (gelöscht)
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Old bear
Administrator Geschrieben am 12.11.2006 10:19


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Hallo Ihr,
ich möchte mal Eure Meinung zu homöopathischen Kontraindikationen hören.
Wir wissen alle, daß bei einem AM auch wichtige Symptome fehlen können und daß manchmal sogar das Gegenteil der Fall sein kann. Aber wie ist es mit den besonders verläßlichen Symptomen, den Leitsymptomen und den Essenzen?
Vithoulkas schreibt z.B., daß es eine absolute Kontraindikation für Arsenicum album ist, wenn der Patient warmblütig ist - selbst dann, wenn sonst alles paßt. Allerdings soll es Rhus tox. geben, die eine Abneigung gegen Milch haben, obwohl Rhus tox. Milch normalerweise liebt. Alles ist ja nie beisammen. Natürlich ist das Verlangen nach Milch bei Rhus tox. weniger wichtig als die Frösteligkeit bei Arsen. Nur wann und wo ist ein Symptom so wichtig, daß es ein Essential darstellt und sein Fehlen bzw. sein Gegenteil folgerichtig eine Kontraindikation ist? Deshalb meine Fragen (immer vorausgesetzt, alle anderen Symptome passen und nur dieses eine nicht):
Gibt es durstige Pulsatillas? Oder welche, denen im Warmen besser wird?
Gibt es Pulsatillas, die nicht gerne schmusen und sich aus Zärtlichkeiten nichts machen?
Gibt es mutige und furchtlose Phosphorus-Charaktere?
Gibt es kreative und flippige Kaliums?
Gibt es langweilige, bürgerliche und treue Tuberculinums?
Gibt es stark schmerzempfindliche Opiums?
Gibt es demütige und knochentrockene Sulphurs oder Medorrhinums?
Gibt es unkritische und geduldige Sulphurs oder Nux vomicas?
Gibt es Sepias, die unemanzipiert sind, ihre Familie lieben und gern getröstet werden?
Aktueller Anlaß meiner Frage:
Ich habe einen Patienten, auf den Phosphorus (sonst auch psychisch) fast 100%ig paßt - aber er ist sehr furchtlos und mutig. Geht das? Als zweites Mittel käme Pulsatilla in Betracht, da extrem verschmust. Das hätte aber einen viel geringeren Bezug zur körperlichen Symptomatik (Atem- und Lungen/Luftsackbeschwerden; starkes Nasenbluten).
Es geht mir in erster Linie aber nicht um den Fall, sondern um das Grundsatzproblem, über das ich schon oft nachgedacht habe, ohne zu einer abschließenden Meinung gelangt zu sein.
Ich erwarte gespannt Eure Meinungen, Erfahrungen und Überlegungen.
Praktische Fallberichte, die das Problem illustrieren, sind ebenso willkommen wie theoretische Überlegungen.
Liebe Grüße,
Thomas
In Antwort auf:
Hallo, Thomas,
Krankheit ist Abweichung vom Gesunden.
Krankheit muß sich nicht in jedem Bereich manifestieren.

Hat dein Patient schon immer Lungen/Luftsackbeschwerden und Nasenbluten gehabt? Wenn nicht, sind das Symptome der Krankheit.

War dein Patient schon immer furchtlos und schmusig? Wenn ja, sind das keine Symptome der Krankheit.

Das ist jetzt ziemlich vereinfacht. Im Einzelfall ist abzuwägen, welchen Stellenwert ein Symptom beim Kranken hat.

Wenn jemand so mutig - oder besser waghalsig ist, weil er Gefahren nicht abschätzen kann, daß er immerzu Unfälle hat, ist das natürlich krankhaft, dann paßt kein Mittel, das charakteristisch Feigheit hat.

Wenn eine Frau ein Klumpengefühl im Rektum, gelben Sattel auf dem Nasenrücken und Haarausfall hat, würde ich Sepia geben, egal, ob sie schon immer ein Heimchen am Herde war oder erst seit Beginn der Erkrankung dazu geworden ist. Ein Heimchen zu sein ist ja an sich nicht krankhaft.
Grüße, ilse

PS: Phosphorus steht doch in der Rubrik mutig, beherzt usw. drin (kein Wunder, als Parademittel der Tuberkulinie).

In Antwort auf:
Hallo Thomas
Ich denke, dass es das schon gibt.
Als Kind war man z.B. Calc.Carb., entwickelte sich dann zu Silicea und hat so im Laufe des Lebens einige Mittel in sich impliziert.
Und ich denke, dass sich da auch Mischungen entwickeln können.
Oftmals kann eine Heilung ja auch nur erfolgen, wenn diverse Mittel hintereinander gegeben werden.

Ich z.B. war als Kind sicherlich Calc.Carb., meine Mutter ist eigentlich eine typische Lycopodium-Mutter, die aber Lachesis ist. Durch den Einfluss meiner Mutter wurde ich stark von diesen AM imprägniert. Und von Lachesis zu Staphisagria zu kommen (was ja so gut zu mir passt) bedarf keinen Quantensprung.
Nimmt man aber mein Messi-Verhalten, meine ständige Unordentlichkeit (Kleidung), mein schnelles Schwitzen, meinen Impfschaden mit den schwarzen Pocken und auch meine Psychosomatik denkt man schnell an Sulphur.
Aber ich habe dünne Beine und Arme und einen dicken Oberkörper. Das passt ja überhaupt nicht zu Sulphur. "Sollen ja immer abgemagerte sein".

So denke ich, dass je nach vorliegender Symptomatik, nicht unbedingt das klassische Konstitutionsmittel angesagt ist, sondern vielleicht ein anderes (Konst.-)Mittel, dass man auch in sich drin trägt und auf den vorliegenden Fall passt.

Also kann ein Phosphor-Typ auch mutig sein und eine Pulsatilla nicht weinerlich und ein Arsenicum-Typ dick.

Es ist vielleicht etwas amateurhaft erklärt, aber ich habe das Gefühl dazu.

LG Günther

In Antwort auf:
Hallo Günther und Ilse,

irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich mich noch nicht richtig verständlich machen konnte...
Ihr scheint das von mir aufgeworfene Problem gar nicht als ein solches zu sehen.

@ Günther:
Danke für deine Überlegungen, aber sie treffen nicht wirklich das, was ich meine. Natürlich sind nicht alle Sulphurs mager (ich weiß nicht, wer das sagt; meistens werden 2 Phänotype beschrieben, die ziemlich unterschiedlich sind); auch eine typische "Lycopodium-Figur", wie Du sie beschreibst, kann zweifellos Sulphur sein. Auch sind nicht alle Pulsatillas füllig und blond und alle Phosphors mager. Das ist mir völlig klar. Es geht mir nicht darum, ob bestimmte als typisch geltende Eigenschaften auch fehlen können, sondern darum, welche Eigenschaften so essentiell für ein Mittel sind, daß ihr Vorliegen eine Kontraindikation darstellt. Und das gibt es schon, wenn man den großen Homöopathen (Vithoulkas, Morrison, Ghegas) glaubt. In den "englichen Seminaren" und in den "Augsburger Seminaren" ist von mehreren solchen Fällen die Rede, z. B. daß Arsenicum album nicht warmblütig sein kann - unter keinen Umständen. Nach Deiner Meinung dürfte es solche Kontraindikationen gar nicht geben. Und die Frage, daß jemand im Lauf seines Lebens nicht immer das gleiche Konstitutionsmittel braucht, sondern daß unterschiedliche Schichten ("Zwiebelmodell") bzw. Facetten (Krüger: "Teilpersönlichkeiten"; Modell der "seelischen Tafelrunde") sichtbar werden können, sowie gleichfalls die Frage, daß es Mischtypen gibt, tragen nicht wirklich zur Lösung meiner Frage bei; denn es geht nicht darum, wie sich jemand früher oder später entwickelt, sondern ob er/sie zu einem bestimmten Zeitpunkt dieser Entwicklung ein bestimmtes Arzneimittel brauchen kann, obwohl er/sie so diametral entgegengesetze Symptome oder Eigenschaften hat - oder ob dieses eben so essentielle Symptome und Eigenschaften sind, daß ihr Fehlen eine Kontraindikation darstellt.

@ Ilse:
Auch Dir vielen Dank für Deine Überlegungen. Den berühmten "gelben Nasensattel" von dem überall in der Literatur die Rede ist, habe ich persönlich in der Praxis noch nie gesehen. Ob ein solches Symptom (sowie ein m. E. ziemlich unspezifisches wie Haarausfall) entgegen den als essentiell geltenden Gemütssymptomen die Indikation für Sepia begründen kann, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Ich hätte Probleme, der von Dir charakterisierten Frau Sepia zu geben. Aber da sind wir mitten im Kern des Problems, wie mir scheint. Wäre für Dich der gelbe Nasensattel oder das herabdrängende Gefühl so wichtig, daß es bei Sepia vorliegen muß? Oder bist auch Du - wie offenbar Günther - der Meinung, daß es gar keine Kontraindikationen gibt?
Auch verstehe ich folgenden Satz nicht:
"Hat dein Patient schon immer Lungen/Luftsackbeschwerden und Nasenbluten gehabt? Wenn nicht, sind das Symptome der Krankheit."
Meiner bescheidenen Meinung nach sind ständiges Nasenbluten und Atemnot infolge Aspergillose der Lungen und Luftsäcke immer Krankheitszeichen; nicht nur, wenn es erst später aufgetreten sein sollte, sondern selbst, wenn der Vogel so zur Welt gekommen wäre.

Liebe Grüße,
Thomas

In Antwort auf:
Zitat:

Old bear schrieb am 12.11.2006 23:56 Uhr:
Das ist mir völlig klar. Es geht mir nicht darum, ob bestimmte als typisch geltende Eigenschaften auch fehlen können, sondern darum, welche Eigenschaften so essentiell für ein Mittel sind, daß ihr Vorliegen eine Kontraindikation darstellt. Und das gibt es schon, wenn man den großen Homöopathen (Vithoulkas, Morrison, Ghegas) glaubt.
Liebe Grüße,
Thomas





Hallo Thomas,
hallo Alle,

was haltet Ihr von dem Begriff "Zwischenstadium". Wenn der Patient keine eindeutigen Symptome zeigt, kann der Homöopath auch keine eindeutige Mittefindung vollziehen. Die heutigen Einflüsse auf den menschlichen Organismus können so vielseitig sein, wie ein Kaleidoskop. Sobald sich etwas im Leben des Patienten ändert, dreht sich das Rad erneut und manchmal denken wir, das es nicht der gleiche Patient sein kann.

Vieleicht ist diese fehlende Eindeutigkeit ein Wandel. Der Wandel dem wir alle unterzogen sind.

Eine Art Zwischenstadium halt, in dem die Symptome nicht eindeutig sind, ja sogar kontraindikativ erscheinen.

LG
Frank

In Antwort auf:
Hallo,

ich denke, alle Mittel haben ein Ying und ein Yang. Das eine mehr, das andere weniger ausgeprägt.
Ich kann mich an einen Fall erinnern, bei dem ein unkastrierter Rüde (passt ja auch nicht unbedingt zu Puls.) sich nach einer Hormonspritze soff wie ein Fass ohne Boden, ca. 7 l tgl.!!! Aber die durstlose Puls. heilte sowohl seinen Hautausschlag, als auch seine "Sauftour". Ein anderer Hund mit extremem Durchfall, bekam aufgrund der psychischen Konstellation Lyc., welches ja normalerweise eher Verstopfungen hat. Oder ein Pferd mit Untertemperatur und zusammengezogenen Pupillen, welches mit Bell. wieder auf die Beine kam. Ich hatte auch schon Stram.-Fälle, die sich gerne im Dunkel aufhielten und keinerlei Aggressionen zeigten.
Mir kommt es auf die momentane Gesamtsituation und auf die Causa an. Was mache ich denn mit einem Pat., der akute Vergiftungssymptome (vielleicht nach verdorbenem Fleisch) klassisch nach Ars. zeigt, der aber konstitutionell eher warmblütig ist? Da wären für mich die Konst.symptome erstmal zweitrangig.

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo Thomas,

ich bin da momentan vielleicht noch zueinfach gestrickt, aber der erste Gedanke der mir kam war, daß wir doch nach dem Ählichkeitsgesetz vorgehen, die außergewöhnlichen, sonderlichen .. Symptome suchen.

Ich bin mit der Literatur noch nicht in dem Umfang vertraut, aber müssten uns diese Wegweiser nicht so oder so zum richtigen Mittel führen?

Gerade was Tiere betrifft, finde ich Einschätzungen bezüglich verschiedener "Typen" recht schwierig, da wird ja doch gern vieles missverstanden oder fehlinterpretiert.

Noch ein bischen grübelnd..
Tina

In Antwort auf:
Hallo, Thomas,

Zitat:

Ob ein solches Symptom (sowie ein m. E. ziemlich unspezifisches wie Haarausfall) entgegen den als essentiell geltenden Gemütssymptomen die Indikation für Sepia begründen kann, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Ich hätte Probleme, der von Dir charakterisierten Frau Sepia zu geben.




Verschreibung nach Keynotes ist doch so ungewöhnlich nicht. Und der "unspezifische" Haarausfall ist die ideale Ergänzung (Begleitsymptom) zum Nasensattel und zum Klumpengefühl. Wenn du das reppst steht Sepia ganz allein.
Sowohl der Nasensattel (Uteruserkrankungen) als auch der Klumpen Rektum, nicht besser durch Stuhlentleerung, (Darmtumor?) sind so wichtig, spielt Emanze oder nicht da wirklich eine Rolle? Damit ist der Haarausfall nicht mehr unspezifisch, denn bei Erkrankungen dieser Art kommt er häufig vor.

Darüber hinaus kann dir Sepia auch im Stadium der perfekten Hausfrau begegnen, die sich aufreibt für die Familie - dabei zwar manchmal mosert, aber sie tut es trotzdem. Je nach Prägung durch Erziehung, Gesellschaft versucht die eine vielleicht irgendwann den Befreiungsschlag, die andere verharrt in der Rolle, wird depressiv oder kriegt eben einen Tumor.



Zitat:

Wäre für Dich der gelbe Nasensattel oder das herabdrängende Gefühl so wichtig, daß es bei Sepia vorliegen muß?




Auf keinen Fall, ich kann doch vom Patienten nicht verlangen, daß er sämtliche Leitsymptome eines Mittels entwickelt, nur um Mittel X verordnet zu bekommen.


Zitat:

Auch verstehe ich folgenden Satz nicht:
"Hat dein Patient schon immer Lungen/Luftsackbeschwerden und Nasenbluten gehabt? Wenn nicht, sind das Symptome der Krankheit."




Da hast du recht, klingt saublöd. Worauf ich hinaus wollte, war dein Vogelfall. Daß nämlich eine Mutigkeit, die schon immer da war, nicht als Symptom taugt und damit auch nicht als Ausschlußkriterium, weil kein (zeitlicher) Zusammenhang mit den Luftsackbeschwerden etc. besteht.


Ich merke, daß ich mich langsam, aber sicher schon wieder meinem Spezialthema nähere:
Es gibt durchaus Symptome, die ein Mittel kontraindizieren, wie zum Beispiel Schmerzempfindlichkeit bei Opium: Opium steht fälschlich in dieser Rubrik, weil es sich hier nicht um die Erstwirkung handelt, nach der ja verschrieben werden muß, sondern um die Nachwirkung), GENERELLE Durstlosigkeit bei Arsen, generelle Wärmeunverträglichkeit bei Pulsatilla usw. Betonung generell, weil bei manchen Beschwerden Puls durchaus Wärme liebt und Ars im Fieber typischerweise durstlos ist.

Solche Symptome gehören zum Genius eines Mittels, den darf man nicht mißachten. Genius-Symptome sind ganz überwiegend Empfindungen oder Modalitäten.
Charakter, Konstitutionsmerkmale aber kontraindizieren nicht.
(Ich wühle grade im Bönninghausen ...)

Also frage ich, wer hat eigentlich die "essentiellen Gemütssymptome" gemacht? Geht das Emanzenbild Sepias aus den AMP hervor? Nein.

Ich gehe davon aus, daß die Therapeuten das Emanzenbild gemacht haben. Zum Beispiel so: Einer Patientin wird aufgrund der entsprechenden Symptomatik Sepia wegen PMS verordnet. Treffer, PMS geheilt! Diese Patientin hat viel von einer Emanze. Irgendwann kommt wieder mal eine solche (gibt ja genug davon), diesmal mit Schulterschmerzen. Und wieder wird sie geheilt. Was schließt der Therapeut? Sepia ist gut für Emanzen. Schon hat er das veröffentlicht, andere Therapeuten vertrauen ihm - und später steht's im Repertorium. Aber hat Sepia denn die Emanzen von ihrem Emanzentum geheilt?

Auf diese Art und Weise entstehen Leitsymptome, die in Wirklichkeit keine sind.

So, und damit mache ich erst mal Schluß! Total erschöpft.
Grüße, ilse



Zitat:

Auch verstehe ich folgenden Satz nicht:
"Hat dein Patient schon immer Lungen/Luftsackbeschwerden und Nasenbluten gehabt? Wenn nicht, sind das Symptome der Krankheit."



Da hst du recht, klingt saublöd. Worauf ich hinaus wollte, war dein Vogelfall. Daß nämlich eine Mutigkeit, die schon immer da war, nicht als Symptom taugt und damit auch nicht als Ausschlußkriterium, weil kein (zeitlicher) Zusammenhang mit den Luftsackbeschwerden etc. besteht.

Dieser Beitrag wurde von ilse am 13.11.2006 22:36 Uhr editiert.

In Antwort auf:
Hallo Ilse,


Zitat:

ilse schrieb am 13.11.2006 22:32 Uhr:
Es gibt durchaus Symptome, die ein Mittel kontraindizieren, wie zum Beispiel Schmerzempfindlichkeit bei Opium: Opium steht fälschlich in dieser Rubrik, weil es sich hier nicht um die Erstwirkung handelt, nach der ja verschrieben werden muß, sondern um die Nachwirkung), GENERELLE Durstlosigkeit bei Arsen, generelle Wärmeunverträglichkeit bei Pulsatilla usw. Betonung generell, weil bei manchen Beschwerden Puls durchaus Wärme liebt und Ars im Fieber typischerweise durstlos ist.
Solche Symptome gehören zum Genius eines Mittels, den darf man nicht mißachten. Genius-Symptome sind ganz überwiegend Empfindungen oder Modalitäten.
Charakter, Konstitutionsmerkmale aber kontraindizieren nicht.
(Ich wühle grade im Bönninghausen ...)





Danke für diese Antwort. Langsam nähern wir uns dem Kern der Sache. Denn es wird offenbar endlich klar, worum es mir geht.
Genau das ist es: Der Genius des Arzneimittels. (Manche nennen es auch Essenz!).
Nur: Warum gehören psychische Symptome nicht zum Genius eines Arzneimittels? Ist der Genius von Lycopodium nicht einerseits Feigheit/Aufgeblasenheit und das Bild des Ballons (phänotypisch und im übertragenen Sinne)? Ist der Genius von Phosphor nicht Diffusion (mangelnde Abgrenzung zur Außenwelt) und u. U. auch Neigung zur Panik? Woher nimmst Du, daß psychische Symptome keine Kontraindikationen sein können?
Kannst Du nochmal genauer benennen, welche Symptome Deiner Meinung nach Kontraindikationen sein können und wenn, warum? Und bei anderen Symptomen, wenn nein, warum nicht?
P.S.: Natürlich treten psychische und mentale Symptome bei Arzneimittelprüfungen genauso auf wie körperliche Symptome, Allgemeinsymptome und Modalitäten.

@ Medi: Du hast Dich leider noch gar nicht zum Thema geäußert. Deine Meinung und Deine Erfahrungen zum Thema Kontraindikationen (auch psychisch?) wären mir auch sehr wichtig.

Liebe Grüße,
Thomas

In Antwort auf:
Hallo, Thomas,
der Genius eines Mittels ist was ganz anderes. Ich laß es mal den Gypser sagen, der kann's besser als ich:
"Am Bönninghausenschen Beispiel der von innen nach außen gerichteten Stiche Asa foetidas läßt sich zeigen, was Genius meint. Diese Schmerzen nämlich wurden von verschiedenen Prüfern mehrfach beobachtet, zeigten sich deutlich und betrafen verschiedene Leibesbereiche. Bei Erfüllung dieseer Kriterien spricht man von einem Geniussymptom und kann davon ausgehen, daß Asa auch von innen nach außen verlaufende Stiche in anderen Leibesbereichen, als in der Prüfung tangiert wurden, bei auch sonstiger Angemessenheit heilen wird."

Oder Rhus-t: da bessert sich ja fast alles durch Bewegung, Puls: fast alles besser durch frische Luft.

Logischerweise gibt es solche Geniussymptome überwiegend bei Empfindungen und Modalitäten, denn andere Symptome können kaum in verschiedensten Bereichen auftreten, z. B. offener Mund, brüchige Nägel usw.
Aber auch Begleitsymptome können diesen Rang haben. Z. B.
"Tränenfluß als Begleiterscheinung von Schmerzen in verschiedenen Leibesbereichen bei Sabadilla."

Wenn man mit Plates Symptomenlexikon arbeitet, geht man auch so vor. Da ist das Vorkommen z. B. einer bestimmten Schmerzempfindung in möglichst vielen Körperteilen oder vieler verschiedener Beschwerden mit einer bestimmten Modalität für die Mittelwahl ausschlaggebend und nicht ein wortwörtliches Symptom.

Die Feigheit von Lycopodium ist demzufolge kein Geniussymptom. Und das Bild des Ballons gilt auch nicht, denn das ist eine Merkhilfe, eine Interpretation und nichts Handfestes.


Zitat:

Woher nimmst Du, daß psychische Symptome keine Kontraindikationen sein können?



Das habe ich nicht gesagt. Sondern:
Mut, Feigheit, Herzlichkeit, Emanzipiertheit, kein Talent zum Zeichnen, zur Hausarbeit! usw. sind in der Regel Eigenschaften, die nicht krankhaft sind, sondern zum Charakter gehören und folglich auch nicht geheilt werden können und sollen. Es sei denn, sie treten erst im Zusammenhang mit einer Krankheit auf (wobei ich auch das bei einigen der oben genannten für ziemlich unwahrscheinlich halte ..., denn aus Prüfungen stammen die sicherlich nicht).

Nimm bloß mal die Emanzipiertheit von Sepia. In der Prüfung zeigt sich doch außer "Abneigung gegen die gewohnte Hausarbeit" und "Abneigung gegen den geliebten Ehemann" nicht viel in dieser Richtung.



Zitat:

Kannst Du nochmal genauer benennen, welche Symptome Deiner Meinung nach Kontraindikationen sein können und wenn, warum?




Eben solche, die gegen den Genius verstoßen - wie z. B. von außen nach innen stechende Schmerzen bei Asa.
Oder wieder ein Beispiel von Gypser bezgl. Ausschluß-Polaritäten:
"Die repertoisierten Symptome führen zu Pulsatilla. Unter den unberücksichtigten finden sich große Durst, ausgesprochendes Wohlbehagen in warmen Räumen, Verschlimmerung bei Bewegung und Besserung abends. Damit liegen bedeutende Widersprüche zum Genius von Pulsatilla vor, so daß es trotz aller scheinbarer Angemessenheit nicht das kurative Mittel sein kann."
Gute Nacht, ilse

In Antwort auf:
Hallo Ilse,
und was sagst Du dann zu Marions Beispiel, daß sie einen Hund mit Pulsatilla geheilt hat, der literweise soff?
LG
Thomas

In Antwort auf:
Hallo, Thomas,
Genaueres zu den Ausschluß-Polaritäten Bönninghausens im Gemüts-/Geistesbereich:
Fröhlichkeit, Gereiztheit (Ärgerlichkeit, Aggressivität, Heftigkeit, Zornmütigkeit), Sanftheit (mildes Gemüt), Traurigkeit (Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Weinerlichkeit),
leichtes Begreifen, schweres Begreifen,
Verschlimmerung/Besserung nach Umständen, Gemüt:
Alleinsein, Denken an Beschwerden, Menschen (Gesellschaft), Weinen

Spartanisch, gell!
Wie gesagt, ich befasse mich grade mal wieder mit Bönninghausen. Seine Methode funktioniert sicher nicht in jedem Fall, sein Rep ist nicht vollständig,ist aber nützlich, um überhaupt mal eine Vorauswahl bei der Mittelsuche zu treffen. Mit den heutigen aufgeblähten und fehlerhaften Repertorien wird das ja immer schwieriger.
Grüße, ilse

Eben erst gesehen:

Zitat:

und was sagst Du dann zu Marions Beispiel, daß sie einen Hund mit Pulsatilla geheilt hat, der literweise soff?





Och, das war die Ausnahme von der Regel ...
Der Suff war die Nebenwirkung der Hormonspritze.

In Antwort auf:
Genau Ilse. Aber das zeigt ja eben auch, dass manchmal die Causa wichtiger ist, als das "typische" Symptome eines Mittels.
Deswegen finde ich es etwas vorschnell, ein Mittel von vorneherein auszuschliessen, nur weil vom Charakteristikum her auf das eine oder andere Symptom nicht passt.

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo Marion,
kann ich Deiner Antwort entnehmen, daß es Deiner Meinung nach überhaupt keine mehr oder weniger "absoluten" Kontraindikationen gibt?
Aber dann siehst Du es doch noch etwas anders als Ilse, oder?
Wie siehst Du es mit "Genius", "Essenz", "Leitsymptomen", "besonders verläßlichen Symptomen"? Alles nur relativ?
Dann wär's ja schön einfach....oder besonders schwierig....
Vielleicht haben die Meister (Vithoulkas, Morrison, Ghegas) bei ihren Darstellungen bzw. Behauptungen von absoluten Kontraindikationen nur etwas lehrerhaft vereinfacht, um es den Schülern leichter zu machen - 99% der Fälle richtig zu lösen auf Kosten des einen falschen, in dem man ein passendes Arzneimittel nicht gegeben, sondern wegen einer angeblichen, aber in Wirklichkeit nicht existenten Kontraindikation verworfen hat?
P.S.:
Soff der Hund wirklich erst nach der Hormonspritze?
Dann könnte man das Symptom natürlich wirklich ohne Probleme in die Tonne treten.

LG
Thomas

In Antwort auf:
Hm, schwierig. Ich entscheide das (wenn ich zwischen zwei/drei Mitteln stehe) auch aus dem Bauch raus, bzw. unterscheide chronische Fälle von akuten.
Wenn ansonsten alle Symptome passen, nur eben dieses eine Kriterium, dann ist mir dieses völlig egal. Klar, wenn es mehrere Symptome gibt, die dagegen sprechen, dann nicht.
Aber im Grunde genommen, ist dieses Thema ähnlich wie dem der Diskussion über "feindliche Mittel". Wenn das Mittel ansonsten angezeigt ist, dann ist mir das wurscht. Seitdem ich so denke, bin ich oft schon auf passende Mittel gekommen, die ich sonst evtl. nie in Erwägung gezogen hätte, wie eben bei diesem Puls.-Hund. Er soff wirklich erst nach der Hormonspritze so, da ansonsten aber alles passte nahm ich es. Die Frage stellt sich dann aber auch, ob solche Kontraindikationen dann nicht gelten. Wenn jemanden eingeimpft wird, dass Puls. grundsätzlich durstlos ist, dann kann das schon mal in die Irre führen. Deshalb bin ich mit solchen Leitsymptomen immer etwas vorsichtig. Ich sehe das ähnlich wie bei den sog. bewährten Mitteln. Da wird Rhus tox. als wunderbares Traumamittel beschrieben und hervorgetan oder auch Arnica. Dass Rhus tox. aber auch ein wunderbares Augenmittel ist, wird da leicht in den Hintergrund geschoben und bei der Mittelwahl von vorneherein ausgeschlossen.
Und, eigentlich möchte ich mich bestimmt nicht mit Vithoulkas und Co. vergleichen... vielleicht liege ich mit dieser Einschätzung z.Zt. ja auch völlig falsch, aber schliesslich lernt man nie aus...

LG Marion

In Antwort auf:
Hallo, Marion und Thomas,

Zitat:

Vielleicht haben die Meister (Vithoulkas, Morrison, Ghegas) bei ihren Darstellungen bzw. Behauptungen von absoluten Kontraindikationen nur etwas lehrerhaft vereinfacht




Genau! Eine MM oder ein Lehrbuch richtet sich an Lernende, die eben noch unsicher sind. In der Originalvorrede zum TTB schreibt Bönninghausen: "Für die Anfänger in der Homöopathie dürfte es noch erforderlich sein, über den Gebrauch dieses Taschenbuches, welches hauptsächlich für sie bestimmt ist, einige Worte zu sagen ..."

Man muß sich nicht dogmatisch an solche Regeln klammern, sollte aber schon stutzig werden, wenn Symptome dem Charakter der Arznei entgegengesetzt sind. Wenn es sich um ausgeprägte Symptome handelt, die den gegenwärtigen Krankheitszustand deutlich abbilden (und vom Organismus selbst kommen) sowieso.
Solche ausgeprägten Symptome hat man in der Praxis aber ohnehin in der Rep drin, so daß man gar nicht erst in die falsche Richtung gerät - wenn man richtig hierarchisiert hat. Da liegt nämlich der Hund begraben.

Die in der Rep nicht berücksichtigten, weniger bedeutenden Symptome, lassen sich dann zum Differenzieren verwenden. Wenn dennoch keine Entscheidung möglich ist, kann man immer noch ein Charaktersymptom oder eine frühere Krankheit dazunehmen.
So schildert z. B. Eichelberger den Fall einer alten Frau mit Hypertonie, bei dem er nicht genug Symptome für eine Mittelwahl fand. Er differenzierte dann über eine vor 20 Jahren durchgemachte Augenerkrankung - als Hinweis auf das Potential/die Reaktionstendenz dieses Organismus.


Zitat:

Da wird Rhus tox. als wunderbares Traumamittel beschrieben und hervorgetan oder auch Arnica. Dass Rhus tox. aber auch ein wunderbares Augenmittel ist, wird da leicht in den Hintergrund geschoben und bei der Mittelwahl von vorneherein ausgeschlossen.




Ja, das ist so ein Problem, vorurteilsfrei an die Sache rangehen. Mir drängt sich manchmal gleich zu Anfang ein Mittel auf - aha, Leitsymptom von X, und schon bin ich voreingenommen. Oder ich denke, Sulphur und kein Hautausschlag, kann das angehen?
Grüße, ilse

In Antwort auf:
Hallo Ilse,
Sulphur ohne Hautausschlag ist überhaupt kein Problem. Das gibt es sogar nicht selten.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Ja schon, aber irgendwie setzen sich solche Gedanken im Hinterkopf fest.

In Antwort auf:
Hallo Thomas
Hallo an Alle
Aus diesen Postings's konnte ich viel für mich herüber nehmen.

Was ich in meinem amateurhaften Posting eigentlich sagen wollte ist folgendes:
Wenn man mehrere Konstitutionsbilder in seinem Leben durchgemacht hat, sagen wir mal vor 20 Jahren wäre ich Sulphur gewesen, und heute wäre ich Arsen, könnte es dann nicht möglich sein, dass bei einem vorliegendem Krankheitsfall auch Symtome von Sulphur mit reinspielen könnten, obwohl sie eine Kontraindikation für Arsen wären???
Oder ist man 100% von seinen alten Konstitutionsmittel erlöst?

LG Günther

In Antwort auf:
Hallo Günther,
ich glaube nicht, daß das Bild von der "endgültigen Erlösung vom Konstitutionsmittel" für alle Fälle paßt, obwohl es das geben mag. Man ist nicht in seinem Leben als Kind zu 100% Calcium Carbonicum, später zu 100% Sulphur und am Ende zu 100% Lycopodium - oder was auch immer. Jeder Mensch ist letztlich zeitlebens eine Mischung, eine "mulitiple Persönlichkeit" mit verschiedenen Aspekten und daher auch verschiedenen Konstitutionsmitteln an seiner "seelischen Tafelrunde". Behandlungsbedürftig ist immer der Persönlichkeitsaspekt, der in einer bestimmten Lebensphase im Vordergrund steht, oder - wie Andreas Krüger es ausdrückt - die Teilpersönlichkeit, die "gerade am lautesten schreit". Die (einstweilen) erlösten Aspekte der Persona benötigen kein Arzneimittel mehr - aber es kann sein, daß sie später wieder hervortreten. Sehr schön nachlesen kann man diese Aspekte hier:
http://www.homsym.de/tdshome.htm
LG
Thomas

In Antwort auf:
Ist das dann nicht die Antwort auf Deine Frage?

In Antwort auf:
Zitat:

Frank schrieb am 19.11.2006 13:19 Uhr:
Ist das dann nicht die Antwort auf Deine Frage?



Nein, nicht ganz. Es geht mir um einen anderen Aspekt. Man kann verschiedene Arzneimittel-Personae in sich tragen, aber das heißt nicht, daß alle gleichzeitig hervortreten und daß sich daher ständig die Symptome mischen. Ich bin z.B. wie alle Sulphurs fast immer extrem heißblütig und gehe normalerweise bei 10° im T-Shirt nach draußen. Aber als ich mal Nux vomica brauchte, habe ich das u.a. daran gemerkt, daß ich für mich untypisch extrem fröstelig wurde, die Füße unter die Bettdecke zog und noch eine Schafdecke drüberlegte - normalerweise würde ich dabei eine Macke kriegen. Und heißblütige Nux vomicas gibt es wohl nicht (Kontraindikation). Wenn ich also damals trotz anderer Nux-Symptome weiter geschwitzt hätte, hätte ich es nicht genommen und wahrscheinlich auch nicht gebraucht. So hat es aber prima geholfen, und schon bevor die akute Krankheit ganz vorbei war, bereits einen Tag nach der Einnahme von Nux vomica, war die Frösteligkeit wieder weg.
LG
Thomas

In Antwort auf:
Sehr interessiert habe ich eure Beiträge gelesen. Besonders der Pulsatillahund hat es mir angetan. Der untermauert die These (ich glaube von Sankaran) daß das Gegenteil einer Essenz genauso richtig für ein Mittel sein kann. Er vergleicht das mit 2 Seiten einer Münze. Vielleicht 99,9% der Pulsatillas sind durstlos. 0,01% sind extrem durstig - aber sie sind Wasser gegenüber nicht gleichgültig. Daher könnte man das Symptom für Pulsatilla durchaus gelten lassen.
Ich kenne eine Frau, die hat einen großen Bezug zu Aurum. Wenn es ihr schlecht geht verschlimmert Musik enorm. Sie hat das Bedürfnis nach Musik, aber sie fängt sofort zu weinen an und fühlt sich noch schlechter. Wenn es ihr gut geht dann kann Musik ihre Stimmung noch weiter heben. Natrium sulfuricum hat überhaupt keinen Einfluß auf sie, aber verschiedene Aurumsalze haben ihr schon sehr geholfen. Ich könnte mir schon vorstellen jemandem der Eier verabscheut Calcium carbonicum zu geben. Größeren Zweifel hätte ich, wenn sie ihm gleichgültig sind.
Sula

In Antwort auf:
Hallo Sula,

Zitat:

Sula schrieb am 26.11.2006 10:56 Uhr:
Vielleicht 99,9% der Pulsatillas sind durstlos. 0,01% sind extrem durstig - aber sie sind Wasser gegenüber nicht gleichgültig.



Und was ist mit den verbleibenden 0,09%?
Oder hast Du Dich um eine Zehnerpotenz vertan?
Fragt sich
Thomas

In Antwort auf:
Oh jeh Thomas!

Mathematik war noch nie meine Stärke.
(Aber vielleicht sind die 0,09% die Pulsatillas, die nur einmal am Tag aber dann ganz viel trinken)
Um eine Ausrede nicht verlegen
Sula
zuletzt bearbeitet 27.11.2008 09:05 | nach oben springen


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